Dresden - Dresdner Gartenfreunde müssen zum Beginn des neuen Pachtjahres tiefer in die Tasche greifen: Die Landeshauptstadt erhöht den Pachtzins teils um das Doppelte. Während die einen ihrem Ärger Luft machen, halten andere die Erhöhung für sinnvoll.
Seit über zwanzig Jahren zahlt ein Kleingärtner für seinen 300 Quadratmeter (m²) großen Garten einen Pachtzins von 0,088 Euro/m², also 26,40 Euro im Jahr. Künftig werden 0,188 Euro pro Quadratmeter fällig, demnach jährlich 56,40 Euro.
Bei einer Gartengröße von 250 Quadratmetern steigt die Pacht von bislang 22 auf 46,90 Euro im Jahr. In Dresdens größter Kleingartenanlage, der Hellersiedlung mit über 900 Gärten, zeigen sich die Laubenpieper teils wütend.
"Die Stadt sollte mal lieber dankbar dafür sein, was Kleingärtner für Mensch und Natur tun", poltert ein Kleingärtner hinter seiner Hecke.
Kleingärtnerin Ingeborg (77) bewirtschaftet ihre Scholle seit 1990 in der Siedlung. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Georg (79) hat sie sich auf den 523 Quadratmetern eine wahre Oase geschaffen.
Angesichts der anstehenden Pachterhöhung zeigt sich der Rentner wenig überrascht, findet aber deutliche Worte: "Es trifft kaum die Großen, aber immer die Kleinen." Ingeborg stimmt zu, ergänzt aber: "Wir dürfen bei allem Gemecker nicht vergessen, wie gut wir es tatsächlich haben."
Rathaus begründet neue Pachtpreisberechnung für 2027 mit Gutachten
Noch weiter geht Grit Seifert (59), Vorstand des Vereins "Friedland" an der Reicker Straße in Strehlen. Sie hält die Erhöhung für "absolut berechtigt" und empfindet die Pachtgebühr auch nach Erhöhung als gering: "Manchmal habe ich das Gefühl, Kleingärtner wissen gar nicht zu schätzen, was sie für eine Fläche haben und damit alles anstellen dürfen."
Das Rathaus begründet die neue Pachtpreisberechnung für 2027 mit einem Gutachten, das sich "an dem ortsüblichen Pachtzins im erwerbsmäßigen Obst- und Gemüseanbau in einer Region" orientiere.
Der Stadtverband "Dresdner Gartenfreunde" urteilt: "Eine rechtliche Prüfung ist erfolgt. Die Bewertung hat ergeben, dass das Gutachten rechtswirksam ist."
Im Stadtgebiet Dresden gibt es insgesamt 369 Kleingartenvereine mit rund 23.500 Parzellen auf einer Fläche von 792 Hektar. "Davon befinden sich rund 440 Hektar beziehungsweise etwa 56 Prozent der Kleingartenflächen im Eigentum der Landeshauptstadt", berichtet ein Rathaussprecher.
2025 betrug die Gesamtpacht 392.118 Euro. Davon gingen 20 Prozent an den Stadtverband "Dresdner Gartenfreunde". Somit flossen 313.694,51 Euro in die Stadtkasse. Mit der Erhöhung könnte die Stadt jährlich rund 369.000 Euro zusätzlich einnehmen, also rund 683.000 Euro pro Jahr.