Ansturm auf Nachtcafés und Schlafplätze: Haben Obdachlose in Dresden bald keine Unterkunft mehr?

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Dresden - Hunderte Dresdner haben keine Wohnung, schlafen nachts auf der Straße oder im Obdachlosenheim. Doch die Notschlafplätze werden langsam knapp. Auch in den Nachtcafés rechnet man diesen Winter mit mehr Andrang. Könnte ein neues Wohnheim Abhilfe schaffen?

Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt: Im Herbst und Winter ist Obdachlosigkeit besonders hart.
Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt: Im Herbst und Winter ist Obdachlosigkeit besonders hart.  © Soeren Stache/dpa

Das Angebot an Unterbringungsplätzen für den Notfall (davon gibt es 50, hinzu kommen 420 Plätze in regulären Wohnheimen) sei "aktuell gerade noch ausreichend", schreibt Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (50) in ihrem neuen Wohnungsnotfallhilfekonzept, das der Stadtrat im Februar beschließen soll.

Mitschuld trägt eine besorgniserregende Entwicklung: Laut Konzept sind Übergangswohnheime "vermehrt mit Menschen konfrontiert", die gegen Hausregeln verstoßen, deshalb Hausverbot bekommen - und am Ende auf Notschlafplätze mit weniger Auflagen ausweichen.

"Das ist ein echtes Problem", bestätigt Gerd Grabowski (79), der die kirchlichen Nachtcafés in Dresden koordiniert. In den kalten Monaten können Obdachlose dort essen und schlafen. "Wer aus dem städtischen Übergangswohnheim geschmissen wird, landet am Ende bei uns."

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Immer öfter hätten er und seine Helfer mit Menschen zu tun, die schwere psychische Probleme haben. Die innere Anspannung vieler Bedürftiger sei immens.

In sieben kirchlichen Nachtcafés finden Menschen Unterschlupf, die nicht von der Stadt untergebracht werden.
In sieben kirchlichen Nachtcafés finden Menschen Unterschlupf, die nicht von der Stadt untergebracht werden.  © Christian Juppe
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Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (50).
Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (50).  © Norbert Neumann
Nachtcafé-Koordinator Gerd Grabowski (79) versucht optimistisch zu bleiben.
Nachtcafé-Koordinator Gerd Grabowski (79) versucht optimistisch zu bleiben.  © Christian Juppe

Wird neues Obdachlosenheim geschaffen?

Im Kampf gegen die Obdachlosigkeit kritisiert Stadträtin Berit Schönfeld (53, BSW) eine "gescheiterte Sparpolitik".
Im Kampf gegen die Obdachlosigkeit kritisiert Stadträtin Berit Schönfeld (53, BSW) eine "gescheiterte Sparpolitik".  © Steffen Füssel

"Wir kennen einen Gast, der nachts gegen Wände rennt." Stadträtin Berit Schönfeld (53, BSW) arbeitet als Sozialpädagogin, sagt: "Notlagen eskalieren, Menschen verlieren den Halt und landen am Ende auf der Straße."

Sie verweist auf fatale Folgen, sollte die Stadt einen Haushalt mit weniger Geld für Soziales beschließen. "Dass wir immer mehr obdachlose Menschen in Dresden sehen, ist die direkte Folge davon, dass bei den freiwilligen Aufgaben in der Sozialarbeit der Rotstift angesetzt wird."

Ein Trostpflaster: Aus dem Konzept der Sozialbürgermeisterin geht hervor, dass perspektivisch ein neues Obdachlosenheim mit rund 30 Plätzen geschaffen werden soll - und zwar ausdrücklich für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Drogensucht. Und mit weniger Regeln, sodass Hausverbote unwahrscheinlicher werden.

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"Das ist als Notnagel richtig, aber die Stadt muss an die Ursachen ran", fordert Stadträtin Schönfeld. Steffen Große (52), sozialpolitischer Sprecher von Team Zastrow, bedenkt: "Die eigentlichen Ursachen wie tiefliegende Armut und gesundheitliche Krisen übersteigen die reinen Möglichkeiten einer Kommune."

Auch der Freistaat müsse mehr Mittel für die Notfallhilfe bereitstellen.

Titelfoto: Bildmontage: Christian Juppe, Norbert Neumann

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