Pieschen ist zwar angesagt, doch Probleme gibt's genug
Dresden - Nach der Wende hatte Dresden-Pieschen einen ähnlichen Ruf wie heute Prohlis und Gorbitz. Viele Bewohner waren arm, viele Häuser heruntergekommen. Heute ist Pieschen saniert und angesagt, doch Armut bleibt ein Thema. Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (49, Linke) war am Freitag vor Ort.
"Pieschen ist kein reicher Stadtteil, sondern eher ärmer und sehr jung", sagt die Bürgermeisterin. Arbeitslosigkeit oder Segregation sind nicht unbedingt das Problem: Der Arbeitslosenanteil liegt ungefähr im städtischen Mittel von rund sieben Prozent.
Laut Kaufmann ist Pieschen "sozial stabil durchmischt". Umso mehr bereitet der Wohnungsmarkt Sorgen.
"Hier beraten wir besonders viele Personen mit existenziell bedrohlichen Schulden, vor allem Mietschulden", sagt Sebastian Lelanz (47) von der AWO-Schuldnerberatung. "Das sind Menschen, die keine Grundsicherung beziehen und die Miete mit ihrem knappen Einkommen selbst stemmen müssen."
Die Beratungsstelle sei voll ausgelastet, die Warteliste lang. "Statistisch ist Pieschen stärker von Verschuldung betroffen."
Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann warnt vor Kürzungen
Sozialpädagogin Anja Fiedler (42) von der DRK-Begegnungsstätte "Auftrieb" berichtet: Auch Familien, in denen beide Eltern arbeiten, nehmen Beratung in Anspruch. "Sie müssen trotzdem Sozialleistungen beantragen, weil das Geld nicht reicht, um zu leben."
Auch der von der Diakonie betriebene Tagestreff "Schorsch" ist fest im Stadtteil integriert. Hierher kommen wohnungslose Menschen aus ganz Dresden: um zu duschen, Wäsche zu waschen, Post zu empfangen ...
Vor den kommenden Haushaltsverhandlungen warnt Sozialbürgermeisterin Kaufmann vor Kürzungen: "Wir brauchen diese Angebote."
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Aktuell stemmt Dresden noch freiwillige Leistungen im Sozialbereich, von denen etwa auch die Schuldnerberatung und der Tagestreff profitieren. "Ich habe Sorge, dass das wegfällt", so Kaufmann.
Titelfoto: Montage: Norbert Neumann (2)
