SKD-Generalin Marion Ackermann über ihre neue Position in Berlin

Dresden - Marion Ackermann (59), Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), wechselt als neue Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zum 1. Juni 2025 nach Berlin.

Claudia Roth (69, l.) stellt Marion Ackermann (59) als designierte neue Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vor. Als Generaldirektorin der SKD gehört Ackermann zum Beirat der SPK. Der Freistaats Sachsen gehört wie alle Bundesländer zum Stiftungsrat.
Claudia Roth (69, l.) stellt Marion Ackermann (59) als designierte neue Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vor. Als Generaldirektorin der SKD gehört Ackermann zum Beirat der SPK. Der Freistaats Sachsen gehört wie alle Bundesländer zum Stiftungsrat.  © DPA

Ackermann, von einer Findungskommission vorgeschlagen, wurde gestern in der Berliner Staatsbibliothek von Kulturstaatsministerin und Stiftungsratsvorsitzenden Claudia Roth (69, Grüne) als Nachfolgerin des Ende Mai ausscheidenden Hermann Parzinger (65) vorgestellt.

Sie ist die erste Frau in dieser Position. Ackermann sei "eine ausgezeichnete Museumsmanagerin, Kunstpraktikerin, Strategin und was für uns auch sehr wichtig war in der Überlegung: Sie ist bestens international vernetzt", so Roth.

Ackermanns Vertrag in Dresden läuft am 31. Oktober aus. Ein Fortsetzungsvertrag war ausverhandelt. Wir sprachen mit der Generaldirektorin.

TAG24-Interview mit SKD-Generalin Marion Ackermann über ihre neue Position in Berlin

Marion Ackermann mit Hermann Parzinger (65), amtierender Präsident der SPK.
Marion Ackermann mit Hermann Parzinger (65), amtierender Präsident der SPK.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

TAG24: Frau Ackermann, seit wann wussten Sie, dass der Stiftungsrat der SPK sich für Sie als künftige Präsidentin entschieden hat?

Ackermann: Der Stiftungsrat hat diese Entscheidung gestern um 13 Uhr getroffen. Seitdem wusste ich es.

TAG24: Nach gleichlautender Aussage von Sächsischer Staatsregierung und Staatlichen Kunstsammlungen war Ihre Vertragsverlängerung in Dresden ausverhandelt. Warum haben Sie den Vertrag nicht längst unterschrieben?

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Ackermann: Der ausverhandelte Vertrag musste erst vom Kabinett abgesegnet werden. Das war für die erste Kabinettssitzung nach der Sommerpause geplant. Danach hätte ich unterschreiben können.

TAG24: Haben Sie den Freistaat Sachsen darüber ins Wissen gesetzt, dass die Option SPK für Sie besteht?

Ackermann: Natürlich. Ich habe den MP und unsere Ministerin frühzeitig informiert. Beide haben mir gegenüber hohe Wertschätzung und Bedauern zum Ausdruck gebracht, aber auch Stolz, dass die nächste Präsidentin der SPK aus einer sächsischen Leitungsposition kommt.

TAG24: Hatten Sie ernstlich die Absicht, Ihren SKD-Vertrag zu verlängern oder war die Verlängerungsoption in Dresden nurmehr Rückversicherung für den Fall, dass der Stiftungsrat der SPK sich für jemand anderen entschieden hätte?

Ackermann: Ersteres. Noch im vergangenen Jahr habe ich verschiedene Anfragen aus anderen Ländern abgesagt und bin innerhalb Dresdens umgezogen. Ich hatte mit meiner Familie eine bewusste Entscheidung für Sachsen getroffen. Die jetzige Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht.

TAG24: Hat der Freistaat Grund, sich angesichts des ausverhandelten Vertrags in Dresden und der parallel verlaufenden Vertragsanbahnung in Berlin von Ihnen hintergangen zu fühlen?

Ackermann: Nein, ganz im Gegenteil.

Marion Ackermann wird Sachsen vermissen

TAG24: Fühlen Sie sich von der Kritik, die Ihnen in Dresden eine Reihe Themenfelder betreffend teils laut entgegenschlägt - zu nennen wären der Bilderstreit, die Umbenennungen von Werken im Grünen Gewölbe, der Einbruch ins Grüne Gewölbe und die mangelnde Sicherheitslage, die ihn möglich machte, der gescheiterte Wiederbeschaffungsversuch von Juwelen in Antwerpen und die anschließende Rüge des Sächsischen Rechnungshofs -, sowie den notorischen Forderungen nach Ihrem Rücktritt oder Ihrer Entlassung zermürbt?

Ackermann: Auf all diese Fragen haben wir, wie ich finde, immer überzeugende Antworten gefunden. Ich habe allerdings auch viel darüber gelernt, wie Kampagnen gefahren und Fake-Narrationen gezüchtet werden. Dem lässt sich nur bedingt rational begegnen. Wir haben uns mit dem SKD-Team in guter demokratischer Tradition im Modus einer "permanenten Konferenz" befunden, immer gesprächsbereit, waren an vielen Orten im ländlichen Raum präsent. Aber der wesentliche Teil unserer Aufmerksamkeit richtet sich in den SKD auf unsere Programme für unser Publikum - und was haben wir hier nicht alles Beglückendes geleistet, betrachten wir nur allein dieses Jahr, vom Schatz des Veitsdomes über die Eröffnung des ADA, der Kinderbiennale, bis hin zu spektakulären Erwerbungen.

TAG24: Hat die politische Radikalisierung in Sachsen durch die AfD und der drohende Machtverlust für die CDU und Ministerpräsident Michael Kretschmer bei den bevorstehenden Landtagswahlen Ihre Entscheidung beeinflusst?

Ackermann: In erster Linie war dies eine Entscheidung für Berlin und nicht gegen Sachsen.

TAG24: Was ist der Grund, dass Sie die SPK den SKD vorziehen?

Ackermann: Es gibt viele strukturelle Ähnlichkeiten: Beide sind große Verbünde, bei denen es gilt, einerseits die einzelnen Einrichtungen in der Autonomie erstrahlen zu lassen und zugleich ein sinnhaftes Größeres zu erschaffen, gemeinsame Ziele. In den SKD haben wir immer gesagt: "Nur gemeinsam sind wir global player!" Aber es bedeutet doch eine ganz andere und große Herausforderung, in der vibrierenden Kunststadt Berlin mit einem viel diverseren Publikum einen mitten in einem positiven Reformprozess befindlichen, gigantischen Verbund in eine Zukunft zu steuern, die Verlässlichkeit und Aufbruch, Konsolidierung und Leichtigkeit, intensive Bindung des Publikums vor Ort wie auch noch größere internationale Strahlkraft bringen soll. Ich möchte aber auch die große Kraft der in Sachsen und in den anderen Bundesländern so fruchtbar gedeihenden Kunst und Kultur stärker in Berlin spürbar werden lassen.

TAG24: Sind Sie erleichtert, Dresden zu verlassen?

Ackermann: Nein. Auch traurig und melancholisch. Ich hätte so gerne mit unserem Team das Festival zu William Kentridge mitbegleitet, die vollständige Fertigstellung des Residenzschlosses zelebriert, das Osteuropa-Programm fortgesetzt, die notwendigen Restitutionen vorangetrieben, die Weiterentwicklung unserer Museen in Leipzig und Herrnhut voller Neugier begleitet und all die anderen schönen Dinge realisiert, viele gemeinsame Projekte mit Schauspielhaus, Oper, Philharmonie und Hellerau umgesetzt und persönlich erlebt. Ich werde Sachsen vermissen; mit vielen Bürgermeistern verbinden mich herzliche Freundschaften. Meine Tochter ist in Dresden eingeschult worden, mein Sohn hat hier gerade Abitur gemacht.

Wir werden Dresden und den vielen wunderbaren Menschen hier auf immer verbunden bleiben.

Titelfoto: DPA

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