Meißen - Aufgrund der stetig sinkenden Geburtenrate bleiben in vielen sächsischen Kitas die Plätze leer. Die Folge: Schließungen über Schließungen. Doch was passiert mit Kindergärten, die sich vor Kindern kaum retten können? Trotz ungebrochener Nachfrage plant die Stadt Meißen, die Kita "Meißner Spatzen" schließen zu lassen.
Für das Deutsche Rote Kreuz als Träger kam die Entscheidung aus heiterem Himmel. "Wir erfuhren, dass die Stadt die Einrichtung im kommenden Jahr schließen will", berichtet DRK-Sprecher Mattes Brähmig. Aber: Die Kita wird gebraucht.
Auf Nachfrage verwies die Stadt auf die sinkenden Geburtenzahlen sowie freien Kapazitäten anderer örtlichen Einrichtungen. Aus DRK-Sicht greift diese Betrachtung zu kurz. "Für eine so weitreichende Entscheidung braucht es maximale Transparenz und nachvollziehbare Kriterien", so Frank Sipply, Geschäftsführer des DRK.
Doch nicht nur das: Bereits Ende vergangenen Jahres hatten sich freie Träger und die Stadt auf eine Auslastungsquote von 80 Prozent geeinigt, um drohende Schließungen zu vermeiden.
"Vor diesem Hintergrund ist es völlig unverständlich, warum nun ausgerechnet eine Einrichtung mit hundertprozentiger Auslastung schließen soll", erklärt Kita-Chefin Cornelia Funke.
Ist nach 20 Jahren alles aus? Das entscheidet sich in Kürze
Auch wirtschaftlich wirft die Entscheidung Fragen auf: In den vergangenen drei Jahren seien rund 135.000 Euro in die Modernisierung geflossen.
"In städtischen Kitas haben wir im Laufe der letzten Jahre bereits 111 Plätze etwa über Kapazitätseinschränkungen reduziert", erklärt die Stadt Meißen auf TAG24-Anfrage. Während betroffene Eltern indessen händeringend nach Lösungen suchen, droht parallel der Wegfall zahlreicher Stellen.
Die Stadtverwaltung sieht sich hierbei jedoch nicht in der Pflicht: "Der Träger ist hier in Eigenverantwortung für sein Personal." Als "Lösung" bleibe den Betroffenen lediglich die Option, sich zum Zeitpunkt der Schließung eigenständig nach einer Alternative umzusehen.
Ob die "Meißner Spatzen" nach über 20 Jahren tatsächlich schließen muss, entscheidet der Stadtrat in Kürze.