Von Jan Brinkhus und Christian Schultz
Frankfurt am Main - Nach den abendlichen Krawallen in Frankfurt hat sich die Lage in der Nacht zum Sonntag wieder entspannt.
Aber auch am Sonntagmorgen ist die Polizei weiter in der Stadt im Einsatz. Jetzt müssten erst einmal die Schäden begutachtet werden, die "erheblich" seien, aber noch nicht beziffert werden könnten, sagte ein Polizeisprecher. Auch die Geschäfte müssten geschützt werden.
Im Anschluss an eine Demonstration hatten Randalierer in der Mainmetropole Polizisten angegriffen und Läden geplündert. Es gab Verletzte, die Polizei nahm mehr als 30 Menschen vorläufig fest. Sogar das Spezialeinsatzkommando der Polizei (SEK) war im Einsatz.
Unter anderem hatten mehrere Personen ein Waffengeschäft attackiert. Beamte waren schnell vor Ort und stellten nach Polizeiangaben zwei Waffen sicher. Diese seien aus dem Laden gewesen, sagte der Sprecher. Um was für Waffen es sich handelte, war zunächst nicht bekannt.
Mehr als 1000 Polizisten waren in Frankfurt im Einsatz, sie konnten die Ausschreitungen aber nicht verhindern. Das massive Kräfteaufgebot in Frankfurt sei "absolut notwendig" gewesen, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hessen, Jens Mohrherr. Das Konzept der Polizei sei im Vorfeld zu Unrecht belächelt worden.
Mohrherr kritisierte auch die Organisatoren der beiden ursprünglichen Demos. Diese hätten sich nicht ausreichend gegen Gewalt positioniert und damit ihrer Sache "einen Bärendienst erwiesen".
Nach Stein- und Flaschenwürfen löst Polizei Demonstration auf
Die Demonstration der Initiativen "Gen Z regelt" und "Generation Aufbruch" in Frankfurt war zunächst weitgehend friedlich verlaufen. Bis zu 8000 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Polizei zwischenzeitlich an dem Demonstrationszug, der über Stunden mehrere Kilometer durch die Frankfurter Innenstadt unterwegs war. Die Veranstalter sprachen von rund 9000 Teilnehmern.
Dann wurden Polizisten wiederholt mit Böllern, Flaschen und Steinen beworfen. Die Polizei löste den Demonstrationszug daher um kurz nach 18 Uhr auf.
"Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass wir damit rechnen müssen, dass sich linksextremistisches Gewaltpotenzial unter diese Demonstration mischen wird, und so ist es gekommen", sagte Innenminister Roman Poseck (56) am Samstagabend.
"Wir gehen von ungefähr 100 linksextremistisch motivierten Gewalttätern aus. Diese haben die Polizei massiv angegriffen mit Flaschenwürfen, mit Steinen und mit Pyrotechnik", so Poseck weiter.
Chaotische Szenen in der Frankfurter Innenstadt
Nach Auflösung der Demonstration zogen einzelne Gruppen in die Frankfurter Innenstadt. Es kam daraufhin zu weiteren Scharmützeln zwischen Randalierern und der Polizei sowie chaotischen Szenen, insbesondere im Bereich der Einkaufstraße Zeil zwischen Konstablerwache und Hauptwache.
Die Beamten riefen mit Lautsprecherdurchsagen immer wieder dazu auf, die Ansammlungen aufzulösen und sich von Gewalttätern zu distanzieren.
Die Initiative "Gen Z regelt" setzt sich unter anderem für mehr Klimaschutz ein, fordert Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und positioniert sich gegen eine Wehrpflicht. Bundesweit waren für Samstag in mehr als 30 Städten Proteste angekündigt.