Hamburg - Über 250 Musikerinnen und Musiker, ein Abend für den guten Zweck: Am Sonntag wurde die Elbphilharmonie zur "Help-philharmonie". Beim großen Benefiz-Chorfest standen neben den "Bengelsstimmen" als Initiatoren vier weitere Hamburger Chöre sowie Stargäste auf der Bühne - und das alles um "Wärme zu geben".
Der gesamte Erlös des Benefiz-Chorfestes ging an Hanseatic Help. Im Rahmen der Charity-Aktion "#wärmegeben" kamen insgesamt 20.000 Euro zusammen.
"Die Kampagne heute Abend ist für die fast 4000 obdachlosen Menschen, die es in Hamburg leider gibt. Damit wir Schlafsäcke, Fleecedecken, warme Kleidung ausgeben können. Aber eben auch für bedürftige Menschen unserer Stadt. Fast ein Viertel der Kinder in Hamburg ist armutsgefährdet. Die brauchen Winterjacken und Schuhe. Das ist für viele Familien tatsächlich ein Luxusartikel", erklärte Claudia Meister, Geschäftsführerin von Hanseatic Help noch vor Beginn des rund zweistündigen Konzerts im Großen Saal.
Und trotz des eigentlich so "ernsten" Anliegens des besonderen Konzertes am Sonntag, war von Traurigkeit keine Spur.
Alle Künstlerinnen und Künstler des Abends sorgten mit ihren Darbietungen für großen Applaus und Begeisterung im Saal. Die meisten riss es bei dem ein oder anderen Song sogar tanzend von den Sitzen - etwas, was man in der Elbphilharmonie nicht alle Tage erlebt.
Großen Anteil daran hatte die aus Köln eingeladene Brassband Druckluft. Mit Trompeten und Posaunen heizte die Gruppe, die einst als Schülerband aus Bonn Beuel begann, den rund 2000 Gästen ordentlich ein. Für den berühmten Partyklassiker "Major Tom" holte Druckluft auch die Bengelsstimmen auf die Bühne und startete gemeinsam mit dem Publikum den Versuch das lauteste "Völlig losgelöst" zu erzeugen.
Stargast Axel Bosse sorgt mit Hansemädchen für Gänsehautmoment
Neben Druckluft erschien ein weiteres bekanntes Gesicht auf der Bühne, um den guten Zweck zu unterstützen. Sänger Axel Bosse (46) performte gemeinsam mit den Hansemädchen seinen Song "Traum" und sorgte damit für einen Gänsehautmoment.
Musikalisch betrachtet war der Abend generell so vielfältig wie alle Musikerinnen und Musiker selbst. Neben Pop-Songs, die durch die moderne Chorkultur neu interpretiert wurden, ergänzte die Hamburger Liedertafel das Repertoire mit traditionellen Beiträgen.
Und trotzdem hat eines alle verbunden: der Spaß am Singen und das Gefühl nach Gemeinschaft - auch abseits der Musik.
So erklärten Jesse Früchtenicht-Gjoni und Rico Klaes von den Bengelsstimmen gegenüber TAG24, wie viel ihnen dieser Zusammenschluss bedeutet.
"Es zeigt einmal mehr, dass man gemeinsam Dinge schaffen kann, die Einzelne nicht schaffen würden - und sich gegenseitig zu unterstützen, liegt tief in unserer DNA. Genau dieser Zusammenhalt ist der Grund, warum dieser Abend überhaupt so zustande gekommen ist."
Dass sie eines Tages überhaupt einmal in der Elphi auftreten dürfen, sei sowieso eine große Ehre, so die Gastgeber weiter. "Das war zu Beginn unvorstellbar - und genau deshalb sind wir umso stolzer und dankbarer, dass wir diesen Abend gemeinsam erleben durften."
Von der U3 in den Großen Saal der Elbphilharmonie
Angefangen haben die Bengelsstimmen schließlich mit einer spontanen Singaktion in der U3, niemals mit der Absicht überhaupt auftreten zu wollen.
"Als wir die Bengelsstimmen gegründet haben, ging es uns einzig um die Freude am Singen und daran, uns regelmäßig zu treffen. [...] Dass daraus so etwas Großes geworden ist und wir nun im Großen Saal der Elbphilharmonie stehen dürfen, ist für uns schlicht fantastisch".
Inzwischen zählt der moderne Männerchor rund 90 Sänger. "Wir begegnen uns auf Augenhöhe, unterstützen uns gegenseitig und sind einfach füreinander da."
Inzwischen treten die Bengelsstimmen nicht mehr nur spontan in U-Bahnen auf. Neben großen Charity-Aktionen singen die "90 verschiedene Typen" auch auf Konzerten und Festivals.
Dabei - wie am Sonntag - teilweise sogar an der Seite von deutschen Pop-Stars.