Von Christopher Weckwerth
Hamburg/Hannover - Der junge Wolf, der eine Frau in Hamburg verletzt hat, ist zunächst vorübergehend in einer Wildtierauffangstation bei Sachsenhagen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg untergebracht worden. Das teilte die Hamburger Umweltbehörde mit. Zum langfristigen Verbleib des Tieres laufen derzeit Gespräche.
"Man guckt sich jetzt erst mal an, wie ist der Zustand des Wolfes, lässt ihn zur Ruhe kommen und wird entscheiden, was dann mit ihm passiert", sagte ein Sprecher des Umweltministeriums in Hannover. "Es ist schon gefordert worden, das Tier jetzt zu töten. Das muss entschieden werden."
Eine Tötung eines gefangen genommenen Tieres wäre demnach ein Sonderfall. "Das wäre trotzdem womöglich eine Option, aber ich kann da nichts vorwegnehmen." Möglicherweise werde das Tier wieder freigelassen: "Auch eine Auswilderung wäre eine Option", sagte der Sprecher.
Der Ministeriumssprecher erklärte, man könne ein Wildtier, das nicht an Gefangenschaft gewöhnt ist, nicht sehr lange in einem Gehege belassen, das darauf womöglich gar nicht ausgelegt sei. "Deshalb muss schon kurzfristig und zeitnah entschieden werden, was mit dem Tier passieren soll."
Unterdessen sprach sich Wolfexperte Norman Stier von der TU Dresden für eine Freilassung aus. "Einer Freilassung steht aus meiner Sicht nichts entgegen, wenn es kontrolliert mit einem Senderhalsband erfolgt." Durch den Sender könne man das Tier jederzeit aufsuchen, es negativ konditionieren und auch töten, falls es zu Problemen kommen sollte.
Nach Wolfsattacke in Hamburg: Experten diskutieren, was mit dem Tier passieren soll
Auch der Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, Arne Vaubel, plädiert für die Freiheit des Wolfs. Das Tier habe nicht mit Absicht angegriffen, sondern aus einer Panik heraus, sagte er der dpa. Vaubel geht davon aus, dass der Wolf die Frau nicht angreifen wollte.
Das sei ein wilder Wolf, der nichts kenne - keine Stadt, keine Menschen. "Der Wolf war wahrscheinlich in Panik und wollte nur raus", sagt er.
Eine Chance, das Tier in das Rudel eines Wildparks zu integrieren, sah Experte Stier von der TU Dresden nicht. "Da gibt es Erfahrungen von Hybridfängen aus der Anfangs-Wolfswiederbesiedlung aus der Lausitz, die auch in sehr großen Gehegen trotzdem qualvoll zugrunde gegangen sind", erklärte er.
Außer bei kleinen Welpen, die sich noch an eine Gehegehaltung gewöhnen könnten, wäre eine tierschutzkonforme Unterbringung von Wölfen, die in Freiheit aufgewachsen sind, weder sinnvoll noch möglich, so der Experte.