Dennis Thering im TAG24-Interview: "Erwarte vom Senat Lust auf Zukunft"

Hamburg - Als designierter Parteichef und Bewerber als Spitzenkandidat bei der kommenden Wahl will Dennis Thering (38, CDU) die Hamburger CDU wieder an die Spitze führen und Amtsinhaber Peter Tschentscher (57, SPD) als Ersten Bürgermeister beerben. Mit TAG24 hat er über seine Vision für unsere Stadt gesprochen.

Hat klare Vorstellungen für die Zukunft der Hansestadt: Dennis Thering (38) wird die CDU in den Bürgerschaftswahlkampf 2025 führen.
Hat klare Vorstellungen für die Zukunft der Hansestadt: Dennis Thering (38) wird die CDU in den Bürgerschaftswahlkampf 2025 führen.  © Tobias Koch

TAG24: Herr Thering, neben den Ämtern, die Sie bekleiden oder noch bekleiden werden, sind Sie auch ausgewiesener Verkehrsexperte. In Hamburg wird die U5 gebaut, ein zweiter S-Bahn-Tunnel ist im Gespräch, in den letzten Jahren sind zahlreiche Anwohnerparkzonen entstanden oder Pop-up-Radwege, die anschließend verfestigt werden - man sollte meinen, es tut sich viel …

Thering: Es tut sich in der Tat einiges in dem Bereich Verkehrspolitik, die Frage ist nur, ob es das Richtige ist. Wir sehen, dass das Verkehrsklima in Hamburg weiterhin so schlecht ist wie in keiner anderen Großstadt. Das kommt nicht von ungefähr, denn wir haben einen Senat, der die Verkehrsteilnehmer gegeneinander ausspielt, anstatt sie zu einen. Klar ist: Der ÖPNV ist das Rückgrat der Mobilität und wird es auch bleiben. Für uns als CDU ist allerdings anders als für Bürgermeister Tschentscher und seine SPD klar, dass auch Autofahrer weiterhin zu Hamburg gehören. Jeder, der Auto fahren muss oder möchte, soll weiterhin zügig und sicher von A nach B gelangen. Auch das Fahrradfahren soll weiter gefördert und dadurch attraktiver gemacht werden. Das alles kann gelingen, wenn man ein gesamtstädtisches Verkehrskonzept vorlegt und keine Flickschusterei, so wie es der SPD-Bürgermeister mit seinem Grünen-Verkehrssenator aktuell macht.

TAG24: Welche Ansätze verfolgen Sie?

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Thering: Wir verfolgen beispielsweise bei dem Ziel, das Fahrradfahren attraktiver zu machen, einen anderen Ansatz als SPD und Grüne. Dort möchte man möglichst viele Radwege auf Hauptverkehrswege legen. Da fahren die Radfahrer dann neben 40-Tonnern, das ist nicht unser Ansatz. Wir wollen, dass sich Radfahrer sicher fühlen, und dort, wo es der Platz hergibt, Protected Bike Lanes [geschützte Radfahrstreifen, Anm. d. Red.] errichten.

Generell möchten wir überhaupt mehr Platz für Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer, beispielsweise dadurch, dass wir oberirdischen Parkraum unter die Erde verlegen. So schaffen wir weiteren Raum und müssen gleichzeitig keine weiteren Fahrspuren verringern.

"Der Stopp des Ausbaus des Anwohnerparkens kam deutlich zu spät"

TAG24: Sie haben den Parkraum angesprochen, auch den Verkehrssenator Anjes Tjarks. Dieser hat unlängst die umstrittene Erweiterung der Anwohnerparkzonen im Stadtgebiet gestoppt. Ein Sieg für die CDU?

Thering: Ja, absolut. Der Stopp des Ausbaus kam deutlich zu spät, denn wir als CDU haben lange dafür gekämpft, dass Bewohnerparken, das richtig gemacht durchaus sinnvoll sein kann, nur mit den Anwohnern und den Gewerbetreibenden zusammen funktionieren kann. Das Konzept, Anwohnerparken zu nutzen, um das Auto aus der Stadt zu vertreiben, ist der falsche Ansatz. Wir wollen die Menschen mitnehmen. Wir brauchen Stellplätze für Handwerker, die ihr Auto auch abstellen können, um ihre Dienstleistung zu erbringen. Gleiches gilt für Angestellte, die in Anwohnerparkzonen arbeiten. Da haben wir als CDU aber auch die Kammern in den letzten Monaten sehr viel Druck gemacht. Mit Erfolg! Doch es reicht nicht, den Ausbau einfach zu stoppen, man muss jetzt auch unter der Berücksichtigung der Interessen aller Bewohnerparken grundsätzlich auf den Prüfstand stellen.

"Ich erwarte vom Senat, dass er mal wieder Lust auf Zukunft macht"

Hat Lust auf Zukunft: Dennis Thering.
Hat Lust auf Zukunft: Dennis Thering.  © Tobias Koch

TAG24: Welche Themen und vor allem Lösungen, drängen sich in Hamburg noch auf, was erwarten Sie vom Senat bis zur Wahl?

Thering: Ich erwarte, dass der Senat, vor allem der Bürgermeister, mal wieder Lust auf Zukunft macht und nicht nur verwaltet. Eine Stadt wie Hamburg muss auch gestaltet und fit gemacht werden für die Zukunft. Das betrifft etwa die Transformation des Hamburger Hafens, um auch in Zukunft einen starken Hafen zu haben. Wir, als CDU, stehen zum Hafen ohne Wenn und Aber. Wir werden eine Idee entwickeln, wie Hamburg in Zukunft leben will und wovon Hamburg leben soll. Da geht es dann beispielsweise darum, einen Standortvorteil gegenüber anderen Städten zu schaffen, um den Fachkräftemangel, um Exzellenzuniversitäten, um die Start-up-Szene und alles, was dazugehört. Da fehlt es dem Senat zu häufig an Initiative und ich erwarte vom Bürgermeister deutlich mehr Einsatz in der Beantwortung von Hamburgs Kernfragen der Zukunft. Auch bei anderen, entscheidenden Themen wie der Inneren Sicherheit und der wieder anwachsenden Kriminalitätsrate. Da ist die SPD auf dem besten Wege, alte Fehler zu wiederholen.

TAG24: Und was würden Sie zuerst ändern, wenn Sie gewählt werden würden?

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Thering: Zuallererst würde ich sicherstellen, dass wir ein gesamtstädtisches Verkehrskonzept auf den Weg bringen, bei dem alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden. Ich würde außerdem einen klaren rechtsstaatlichen Kurs in Sachen "Innere Sicherheit" fahren mit mehr Polizisten auf der Straße, weitere Waffenverbotszonen an Kriminalitätsschwerpunkten und die Videoüberwachung ausweiten. Hamburg muss als Wirtschaftsstandort noch attraktiver werden. Und ein Anliegen, dass mir persönlich sehr am Herzen liegt, ist es, die medizinische Versorgung zu verbessern. Es ist nicht akzeptabel, dass in vielen Stadtteilen kaum noch Fachärzte anzutreffen sind, dass Hamburgerinnen und Hamburger viel zu lange auf einen Termin warten müssen und die Versorgung mit Kinderärzten oft nicht so ist, wie sie sein sollte.

Wir werden den kommenden Wahlkampf zu einem echten Dreikampf machen. Es wird ein spannender Wahlkampf, ich freue mich darauf!

Lest hier den ersten Teil des TAG24-Interviews: "Der Rückzug von Christoph Ploß war absolut freiwillig"

Titelfoto: Tobias Koch

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