Hamburg - Gegen 17.30 Uhr knallten am Freitagabend auf dem Spielbudenplatz die Konfetti-Kanonen. Anlass war die Präsentation der nach Angaben der Betreiber größten LED-Fassade Europas mit 3D-Effekt, die ab sofort St. Pauli rund 20 Stunden am Tag erleuchten wird. Dabei bringt die 700 Quadratmeter große Fläche aber nicht nur ein Stück Times-Square-Feeling, sondern auch die weltweit erste "Good-Kucksuhr" auf die Reeperbahn, die immer zu vollen Stunde visuell eine gute Nachricht verkünden wird. Eine Idee von Kult-Dragqueen Olivia Jones (56), die zusammen mit Kiez-Ikone Corny Littmann (73), die Attraktion einweihte.
Als erste gute Nachricht liefen die Ergebnisse der Midterm-Wahlen in den USA als durchlaufender Schriftzug über die Leinwand. Und während normalerweise ein Vogel aus der Kuckucksuhr schaut, ist es hier Olivia Jones höchstpersönlich.
"Wir werden täglich mit schlechten Nachrichten bombardiert. Überall ist es fünf vor zwölf. Deswegen war es mir so wichtig, zu zeigen: Mensch, es ist nicht alles nur negativ. Wir müssen positiv in die Zukunft schauen, denn es gibt auch noch gute Nachrichten", erklärte Jones gegenüber TAG24.
Die Nachrichten werden redaktionell von der Olivia Jones Familie sowie dem Klubhaus St. Pauli ausgesucht, dessen Fassade nun die imposante 3D-Wand schmückt.
Bespielt wird das sogenannte "Lighthouse St. Pauli" mit einem Mix aus Werbung, den Good News sowie eigens für die Fassade entwickelten Kunst- und Kulturkreationen. "Ein Drittel der Sendezeit widmen wir den Künstlern und Künstlerinnen auf St. Pauli, die sich dafür online bewerben können", so Jones stolz. "Gerade jetzt, wo die ganzen Gelder gestrichen werden, ein wichtiges Zeichen!"
Der besondere Clou der neuen Attraktion ist der 3D-Effekt, der für die Betrachter ganz ohne spezielle Brille funktioniert. "Naked Eye" nennt sich die Technik, die durch eine abgerundete Gebäudeecke – die sogenannte "Curved Edge" – eine räumliche Illusion erzeugt. "Der Effekt klingt ein bisschen unanständig, passt deswegen auch umso besser auf die Reeperbahn", so Axel Strehlitz, Mitbegründer des Klubhaus St. Pauli, zu TAG24.
Vergleichbare Installationen gebe es bislang nur in Tokio und am Broadway in New York. In Europa sei die Inszenierung in dieser Größe und Form einzigartig und damit fast schon eine Sensation. "Da sind wir besonders stolz darauf", so Strehlitz.
Klubhaus investiert Millionen in neue Fassade: "Hatten die Eier dazu!"
"Das ist wirklich eine einzigartige Sache", schwärmte auch Corny Littmann, ebenfalls Mitbegründer des Klubhaus St. Pauli, am Freitag.
Besonders stolz sei man darauf, dass die Medienfassade vollständig privat finanziert wurde, ganz ohne staatliche Unterstützung. Auch der Strom für den Betrieb werde auf dem Dach des Hauses selbst produziert.
Insgesamt wurden rund 3,5 Millionen Euro in das Projekt investiert. Drei Monate dauerte der Bau der neuen Fassade. "Wir hatten die Eier zu sagen: Wir machen das jetzt mal", so Strehlitz. Man glaube fest daran, dass die 3D-Fassade ein ikonisches Wahrzeichen für den Stadtteil werden könne.
Zu sehen gibt es die spektakulären Bilder (erstmal) nicht rund um die Uhr. Etwa 20 Stunden täglich soll die LED-Wand in Betrieb sein.
Los geht es morgens gegen 6 Uhr, wenn bereits der Berufsverkehr über die Reeperbahn rollt. Gegen Mitternacht wird der Betrieb unter der Woche eingestellt, am Wochenende darf die Fassade etwas länger leuchten.