Heute vor 90 Jahren: Sensationsfund aus dem Moor gibt bis heute Rätsel auf

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Heute vor 90 Jahren, am 22. Juni 1936, wurde in Schweden eine Leiche entdeckt, die selbst Experten staunen ließ: Haut, Haare und Kleidung waren erhalten. Was steckt hinter dem Fund aus dem Mittelalter?

Weitere erstaunliche Ereignisse und Jubiläen kannst Du unter "heute vor ... Jahren" nachlesen.

Rekonstruktion des Bockstensmann.
Rekonstruktion des Bockstensmann.  © Fotomontage: Toxophilus/CC BY-SA 4.0/Wikimedia Commons, Peter Lindberg/CC BY 2.0/Wikimedia Commons, Sebbe/CC BY-SA 3.0/Wikimedia Commons

Entdeckt wurden die menschlichen Überreste im Jahr 1936 in einem Moor in der Region Halland im Südwesten Schwedens. Ein elfjähriger Junge stieß am 22. Juni beim Torfstechen auf die gut erhaltene Leiche, nachdem sich seine Egge in einem Gegenstand verfangen hatte.

Der Fundort nahe Varberg - das Hochmoor Bockstens mosse - gab dem Bockstensmann seinen Namen und machte ihn rasch zu einem wichtigen Forschungsobjekt der Archäologie.

Schnell wurde klar, dass der gefundene Körper bereits sehr lange tot sein musste. Die Knochen deuteten auf einen Mann, wobei anschließende Untersuchungen ihn in die Mitte des 14. Jahrhunderts einordneten, etwa in die 1350er Jahre.

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Besonders bemerkenswert war die nahezu vollständig erhaltene Kleidung. Dazu gehörten unter anderem ein Wollmantel und eine Kapuze.

Solche Funde sind selten und liefern wichtige Erkenntnisse über Materialien, Verarbeitung und Alltagskleidung im mittelalterlichen Europa.

Aussehen, Herkunft und mögliche Todesursache

Darstellung der Pfählung der Moorleiche.
Darstellung der Pfählung der Moorleiche.  © Toxophilus/CC BY-SA 4.0/Wikimedia Commons

Der Tote soll etwa 1,70 Meter groß, von schlanker Statur und vermutlich zwischen 35 und 45 Jahren alt gewesen sein.

Die gesellschaftliche Einordnung des Bockstensmanns beruht vor allem auf seiner Kleidung, die im Mittelalter soziale Stellung und Beruf widerspiegelte. Die getragene Kapuze wurde damals sowohl von Adeligen als auch von Geistlichen verwendet. Daher wird vermutet, dass er eine gehobene Funktion hatte oder einer kirchlichen bzw. organisatorischen Gemeinschaft angehörte.

Untersuchungen zur möglichen Todesursache zeigten, dass der Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit gewaltsam ums Leben kam. Hinweise darauf sind Verletzungen am Schädel. Zudem wurde der Körper mit Holzpfählen im Moor fixiert. Diese dienten vermutlich dazu, den Leichnam am Aufsteigen vom Grund des damals noch offenen Sees zu hindern.

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Die genauen Umstände seiner Herkunft sowie des Todes lassen sich jedoch nicht eindeutig rekonstruieren und bleiben Gegenstand wissenschaftlicher Einordnung.

Schon gewusst? Einer Volkssage bzw. einem Brauch nach sollte mit der Pfählung verhindert werden, dass der Verstorbene wiederkehrte, also zum Geist wurde. In der Regel wurde so mit bösen Menschen, Hexen und Verbrechern verfahren.

Warum der Körper so gut erhalten blieb

Vor allem das Skelett vom Unterkörper, Haut, Haare und einige innere Organe wie Magen, Gehirn, Lunge und Leber waren in erstaunlich gutem Zustand erhalten geblieben.

Diese außergewöhnliche Konservierung lässt sich auf die besonderen Bedingungen im Moor zurückführen. Sauerstoffarme, saure und feuchte Umgebungen verlangsamen den Zersetzungsprozess erheblich. Dadurch bleiben Haut, Haare und sogar Kleidung über Jahrhunderte hinweg erhalten - ein Phänomen, das auch bei anderen Moorleichen in Europa beobachtet wurde.

Der Bockstensmann wird heute im Hallands Kulturhistoriska Museum ausgestellt. Der Fund zählt zu den wichtigsten Moorleichen Europas und liefert wertvolle Erkenntnisse über das Leben im 14. Jahrhundert.

Titelfoto: Fotomontage: Toxophilus/CC BY-SA 4.0/Wikimedia Commons, Peter Lindberg/CC BY 2.0/Wikimedia Commons, Sebbe/CC BY-SA 3.0/Wikimedia Commons

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