Prozess um Messerangriff in Illerkirchberg: Polizist sagt unter Tränen aus

Ulm - Der Polizist, der nach dem blutigen Messerangriff auf zwei Schülerinnen in Illerkirchberg zu den ersten Einsatzkräften am Tatort gehörte, hat im Mordprozess gegen den 27-Jährigen unter Tränen ausgesagt.

Der zweite Verhandlungstag des Gerichtsprozesses ist angelaufen.
Der zweite Verhandlungstag des Gerichtsprozesses ist angelaufen.  © Felix Kästle/dpa

"Es war ein riesiges Tohuwabohu", schilderte der Beamte am Dienstag sichtlich bewegt vor dem Landgericht Ulm die Situation kurz nach der Tat am 5. Dezember. "Zum Glück war der Rettungsdienst schon da." Ein Mädchen sei gerade unter Reanimationsmaßnahmen in den Krankenwagen geschoben worden.

Der Polizist erklärte vor Gericht, er habe sich mit der 13-Jährigen, die den Angriff überlebt hatte, unterhalten. "Die war sehr taff", sagte er. Und dann wurde seine Stimme noch einmal brüchig: "Die beiden haben gar kein Messer oder so etwas gesehen."

Der 27-jährige Angeklagte wollte am zweiten Prozesstag zunächst auch keine Angabe zu seiner Person machen. Angeklagt ist der Eritreer wegen Mordes und versuchten Mordes mit gefährlicher Körperverletzung.

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Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Dezember zwei Mädchen mit einem Messer attackiert zu haben. Eine 14-Jährige überlebte den Angriff nicht, ihre 13 Jahre alte Freundin konnte schwer verletzt fliehen.

Ausstellung eines Reisepasses soll Motiv gewesen sein

Ein Reisepass für eine Eheschließung in Äthiopien sei das Motiv des Beschuldigten gewesen, hatte die Staatsanwältin nach dem Prozessbeginn Anfang Juni erklärt.

Der Anklagebehörde zufolge wollte der 27-Jährige, der als Asylbewerber nach Deutschland gekommen war, am Tattag mit einem Messer beim Landratsamt die dafür nötigen Ausweispapiere erzwingen.

Als er sein Haus verließ, liefen die beiden Mädchen laut Ermittlungen gerade daran vorbei. Der Angeklagte soll angenommen haben, dass sie das Messer gesehen hätten. Daraufhin habe er spontan beschlossen, die beiden zu töten. So habe er verhindern wollen, dass die Mädchen die Polizei verständigen und so seinen Plan durchkreuzen.

Beim Prozessauftakt Anfang Juni war lediglich die Anklageschrift verlesen worden. Ein Urteil in dem Verfahren könnte am 4. Juli fallen.

Das sagt die psychiatrische Sachverständige zum Angeklagten

Am zweiten Verhandlungstag hat außerdem der psychiatrische Sachverständige ausgesagt. Demnach war ein Sachbearbeiter beim Ausländeramt das Ziel des als Asylbewerber nach Deutschland gekommenen Angeklagten.

Er habe den Landratsamtsmitarbeiter des Alb-Donau-Kreises im Dezember mit dem Messer verletzen wollen, sagte der Sachverständige am Dienstag vor Gericht. Der 27-Jährige sei davon überzeugt gewesen, dass das Landratsamt sein Leben zerstört habe. Das sagten sowohl der Sachverständige als auch ein Polizeibeamter, der den Eritreer nach der Tat vernommen hatte.

Dass er keine Frau habe, sei ein großes Problem im Leben des 27-Jährigen gewesen, sagte der Sachverständige. Von Bekannten habe er gewusst, dass diese nach Äthiopien ausgereist seien, dort geheiratet hätten und mit einer Frau zurückgekommen seien. Das habe er auch gewollt.

Erstmeldung: 12.08 Uhr, aktualisiert um 14.20 Uhr.

Titelfoto: Felix Kästle/dpa

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