Chemnitzer Hochstapler vor Gericht: Falscher Arzt aufgeflogen

Chemnitz - Eigentlich ist der 26-jährige Angeklagte aus Chemnitz Pflegehelfer. Doch weil er Anerkennung suchte, gab er sich als Psychologe aus.

Im Zentrum für Psychotherapie in Chemnitz will der Angeklagte tätig gewesen sein - eine Lüge.
Im Zentrum für Psychotherapie in Chemnitz will der Angeklagte tätig gewesen sein - eine Lüge.  © Uwe Meinhold

"Patienten" kamen zu ihm nach Hause und erhielten sogar Rezepte von dem Möchtegern-Arzt. Der Missbrauch des Arzttitels ist aber nur die Spitze des Eisbergs.

Der Chemnitzer hat fast sein ganzes Leben andere betrogen, um seine Drogensucht zu finanzieren. Nach der Verhaftung hat er sogar die Justiz an der Nase herumgeführt.

Drei "Patienten" gaukelte der 26-Jährige vor, Psychologe zu sein. Mal erzählte er von seiner Stelle im Zentrum für Psychotherapie in Chemnitz, ein anderes Mal fand die Behandlung in seiner Wohnung statt.

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Er trug ein Namensschild, fälschte Stempel, akademische Titel, Rezepte und stellte Diagnosen. In einem Fall hatte eine "Patientin" drei verschiedene Medikamente eingenommen - zum Glück ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen.

"Ich wollte mich selber besser stellen als Arzt", versuchte der Angeklagte sein Lügengeflecht zu erklären. Im Alter von sechs bis 18 Jahren sei er im Heim aufgewachsen und habe aufgrund einer prekären Familiensituation nie Anerkennung erfahren. Hinzu käme die Abhängigkeit von Marihuana und Benzodiazepinen (Beruhigungsmittel gegen Angststörung).

Durch die Sucht sei er gezwungen gewesen, ständig zu betrügen. "Die haben mein Gedächtnis ausgeschaltet."

Einer "Patientin" wurde das Medikament Diazepam gegen Angst- und Spannungszustände verschrieben (Symbolbild).
Einer "Patientin" wurde das Medikament Diazepam gegen Angst- und Spannungszustände verschrieben (Symbolbild).  © Wladimir Bulgar

Um aus der U-Haft zu kommen: Hochstapler fälschte Klinik-Bescheid

Mit illegal erworbenem Rezeptdrucker und -papier gelangte der falsche Arzt an Medikamente (Symbolbild).
Mit illegal erworbenem Rezeptdrucker und -papier gelangte der falsche Arzt an Medikamente (Symbolbild).  © imago images/blickwinkel

Elektronik, Verträge oder einfache Alltagsgegenstände hat er laut Anklage mittels Kontodaten von Ex-Freunden, Bekannten und Verwandten bestellt und diese um mehrere Tausend Euro betrogen.

Auf eBay-Kleinanzeigen wurden Käufer übers Ohr gehauen. Insgesamt stehen rund 100 Fälle von (versuchtem) Betrug, Computerbetrug, Urkundenfälschung und Missbrauch von Titeln in der Anklage.

Nach seiner Festnahme machte der Angeklagte weiter, fälschte den Aufenthaltsbescheid in einer Entgiftungsklinik, um schneller aus der U-Haft entlassen zu werden. Die Justiz bemerkte die Fälschung erst später.

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Aufgrund einschlägiger Vorstrafen muss der geständige Chemnitzer mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe und verordneter Langzeittherapie rechnen.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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