Frau mit Fleischerbeil getötet: Lebenslange Haft gefordert
Chemnitz - Im Prozess um den Femizid in der Chemnitzer Theaterstraße droht dem Angeklagten wohl eine lebenslange Haftstrafe. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Nebenklage forderten am vorletzten Verhandlungstag wegen Mordes mit besonderer Schwere der Schuld die härteste Strafe des deutschen Rechts.
Allahmir R. (39) soll seine Ehefrau Masoma (†38) im September vergangenen Jahres mit einem Fleischerbeil getötet haben. Nach Überzeugung der Anklage hielt der Afghane seine Frau zuvor jahrelang in Angst - weil sie sich von ihm lösen wollte und in Deutschland immer selbstständiger wurde.
Schon am Abend vor der Tat soll er die vierfache Mutter in der gemeinsamen Wohnung eingesperrt haben. Staatsanwalt Rolf Bach (47) zeichnete das Bild eines Mannes, der glaubte, über Leben und Tod seiner Frau bestimmen zu dürfen.
"Er war der Meinung, er kann über ihr Lebensrecht verfügen", sagte Bach in seinem Plädoyer.
Das Opfer sei "jahrelang in Todesangst gehalten" worden. Selbst die Kinder hätten die Tat miterleben müssen. "Wer sich davon nicht abschrecken lässt, steht auf der sittlich niedrigsten Stufe."
Gutachter Peter Spindler (57) sprach dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit ab
Auch die Nebenklage sieht Mordmerkmale klar erfüllt. Anwältin Diana Enzinger (46) sprach von einem "absoluten Vernichtungswillen", weil "sein vermeintlicher Herrschaftsanspruch gefährdet war".
Zuvor hatte Gutachter Peter Spindler (57) dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit abgesprochen.
Zwar habe Allahmir R. über Jahre Drogen konsumiert, ausschlaggebend für die Tat sei das aber nicht gewesen. Der Sachverständige beschrieb den Angeklagten als manipulative und beherrschende Persönlichkeit.
Verteidigerin Diana Lorenz (46) widersprach den Mordvorwürfen. Vieles sei nicht erwiesen, erklärte sie und plädierte auf Totschlag. Dafür forderte sie eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Das Urteil soll am 5. Juni fallen.
Titelfoto: Bildmontage: Chempic (2)

