Drohungen, Ausbeutung und Betrug: Staatsanwaltschaft klagt Dresdner Unternehmer an!

Dresden - Die Staatsanwaltschaft Dresden hat zwei Männer (53, 56) und eine Frau (60) angeklagt: Das Trio soll im ganz großen Stil Corona-Hilfen erschlichen und Mitarbeiter in die Scheinselbstständigkeit getrieben haben.

2021 wurden bei Durchsuchungen Beweise sichergestellt. Jetzt wurde Anklage erhoben. (Symbolbild)
2021 wurden bei Durchsuchungen Beweise sichergestellt. Jetzt wurde Anklage erhoben. (Symbolbild)  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Wie die Staatsanwaltschaft Dresden am heutigen Freitag mitteilte, wurde Anklage gegen die drei Deutschen erhoben. Ihnen werden umfangreiche Wirtschaftsverbrechen zur Last gelegt.

Der 56-jährige Hauptangeklagte soll demnach zwei Bauunternehmen mit Sitz in Dresden-Strehlen kontrolliert haben. Die beiden Mitangeklagten seien in diesen Firmen angestellt gewesen.

Als Subunternehmen hätten die Gesellschaften überwiegend Abbruch- und Beräumungsarbeiten für andere Firmen angeboten. Offenbar setzten die Angeklagten für ihre beiden Unternehmen auf günstige Arbeiter aus Rumänien, Moldawien und Griechenland.

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Ab 2019 sollen sie dann für ihre Angestellten - ohne deren Wissen - Gewerbeanmeldungen besorgt und sie zum Schein als Selbstständige beschäftigt haben - eine gängige Methode für illegales Lohndumping.

Im März 2020 hätten die Angeklagten dann eine weitere lukrative Einnahmequelle entdeckt: Corona-Hilfen vom Staat. Innerhalb kürzester Zeit sollen sie für alle Scheinselbstständigen in ihren Unternehmen die entsprechenden Anträge eingereicht haben. Die Rede ist von 45 Förderanträgen.

Seit November sitzt der Hauptangeklagte in Untersuchungshaft

Der Fall soll bald vor dem Landgericht Dresden verhandelt werden.
Der Fall soll bald vor dem Landgericht Dresden verhandelt werden.  © Franz Maler

390.000 Euro seien ihnen schließlich vom Freistaat Sachsen ausgezahlt worden und weitere 14.000 Euro von der Landeshauptstadt Dresden. Allerdings seien ihnen die Subventionen nicht direkt ausgezahlt, sondern an die Konten ihrer scheinselbstständigen Mitarbeiter überwiesen worden.

Um an die Gelder zu gelangen, setzten die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft auf Drohung und Einschüchterung. Unter Zwang sollen sie die EC-Karten und PIN-Codes ihrer Angestellten einkassiert und fleißig Corona-Hilfen abgehoben haben.

Im November vergangenen Jahres beendeten Ermittler schließlich das kriminelle Treiben. Es kam zu Durchsuchungen in mehreren Objekten in Dresden. Ein 56-jähriger Deutscher, der als Geschäftsführer beider Unternehmen aufgetreten ist, wurde sofort festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der Mann ist bereits wegen ähnlicher Verbrechen vorbestraft.

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Im Januar 2022 erhärteten sich dann die Beweise gegen einen 53-jährigen Mitarbeiter. Auch er sitzt mittlerweile in U-Haft. Ebenfalls angeklagt ist eine weitere Angestellte, eine 60-jährige Frau. Da bei ihr allerdings keine Haftgründe vorlagen, ist sie auf freiem Fuß. Gegen drei weitere Beschuldigte wurde das Strafverfahren eingestellt.

Der Fall liegt nun beim Landgericht Dresden. Ein Termin für die Hauptverhandlung ist noch nicht bekannt.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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