Grabplatten, Kreuze und Vorhang aus der Leichenhalle geklaut: Er ist der Friedhofs-Schreck von Nossen

Nossen/Meißen - Eigentlich mag Roberto S. (35) den Friedhof von Nossen, hat sogar schon dort geschlafen. "Da ist es so angenehm ruhig", sagt der Arbeitslose. Anderen gönnt er allerdings weder Ruhe noch die Trauer!

Roberto S. (35) schlief ab und an auch auf dem Friedhof, "der Ruhe wegen". Wegen Störung der Totenruhe wurde er nun verurteilt.
Roberto S. (35) schlief ab und an auch auf dem Friedhof, "der Ruhe wegen". Wegen Störung der Totenruhe wurde er nun verurteilt.  © Franz Maler

Laut Anklage suchte Roberto diesen Friedhof immer wieder heim: Grabplatten und Kreuze verschwanden, Steine wurden umgerissen, Rabatten zerstört - und in der Leichenhalle fehlte sogar eines Tages der Vorhang.

"Ich bin kein Satanist", beteuerte er Donnerstag im Amtsgericht Meißen mehrfach. In Robertos Wohnung waren drei gestohlene Holzkreuze (verkehrtherum aufgehängt) gefunden wurden. "Das ist normale Dekoration", erklärte er genervt.

Die "Deko" wurde zufällig entdeckt, als Haustechniker bei ihm arbeiteten. Ein Kreuz trug den Namen eines kürzlich verstorbenen Bekannten eines Monteurs.

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Die Polizei wurde alarmiert. Und die fand bei Roberto noch zwei Grabplatten, die schon 2016 vom Friedhof verschwanden. "In meiner Wohnung waren immer Kumpels zum Feiern. Die haben mir das vielleicht mitgebracht."

Immerhin gab er zu, dass er sehr wohl gewusst habe, dass derlei Steine nicht einfach so zum Mitnehmen herumliegen ...

Den Gottesacker in Nossen suchte der Täter immer wieder auf.
Den Gottesacker in Nossen suchte der Täter immer wieder auf.  © Franz Maler
Laut Anklage wurden mehrere Grabsteine umgekippt.
Laut Anklage wurden mehrere Grabsteine umgekippt.  © Franz Maler
Der schwere Vorhang in der Leichenhalle wurde natürlich erneuert, nachdem der Einbrecher den vorherigen herunter gefetzt und geklaut hatte.
Der schwere Vorhang in der Leichenhalle wurde natürlich erneuert, nachdem der Einbrecher den vorherigen herunter gefetzt und geklaut hatte.  © Franz Maler
Reste des blauen Vorhangs, der aus der Leichenhalle verschwand. Die anderen Teile davon fand die Kripo bei Roberto in der Wohnung.
Reste des blauen Vorhangs, der aus der Leichenhalle verschwand. Die anderen Teile davon fand die Kripo bei Roberto in der Wohnung.  © Franz Maler

Störung der Totenruhe

Auch der 2016 aus der alten Leichenhalle verschwundene Vorhang wurde bei Roberto gefunden. "Den werde ich wohl gebraucht haben", raunzte der Angeklagte, der seit Jahren Drogen, Medikamente und Alkohol konsumiert. "Ich kenne mein Leben gar nicht nüchtern."

Wegen Störung der Totenruhe wurde der Friedhofsschänder zu 90 Tagessätzen à 15 Euro, mithin einer Geldstrafe von 1350 Euro verdonnert. Sollte er nicht zahlen, müsste er also 90 Tage hinter Gitter.

Titelfoto: Franz Maler (2)

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