Männer-Pärchen nimmt Jungen auf - Dann wird er missbraucht
Dresden - Angeblich wollte das Paar Jan (*Name geändert, heute 18), dem Jungen aus schwierigem Elternhaus, nur helfen. Anfangs waren Schule, Jugendhilfe und Umfeld dankbar, dass Maik (44) und Ehemann Danilo (45) den Schüler bei sich wohnen ließen. Doch laut Anklage missbrauchte das Paar seinen Schützling über 100-mal. Nun ist Prozess am Landgericht Dresden gegen den Verkäufer und die Servicekraft aus dem Landkreis Meißen.
Maik und Danilo lernten die Familie von Jan 2018 an der "Blauen Adria", dem Campingplatz im Naherholungsgebiet bei Bautzen, kennen. "Danach rief er oft an, wollte zu uns, weg von zu Hause", erklärte Maik.
Der damals Elfjährige besuchte das Paar immer häufiger, das sich auch um dessen Alltag kümmerte. "Irgendwann sprach mich die Lehrerin an", sagte Danilo. "Er wäre gut, wenn er bei uns ist. Das ändere sich sofort, wenn er wieder bei seinen Eltern ist." In Absprache mit Jugendhilfe und Eltern wohnte Jan deshalb dauerhaft bei den Männern in einem eigenen Zimmer.
Doch immer wieder missbrauchte Maik den Jungen. "Der hat das als gut empfunden", tönte Maik, der häufigen Sex mit ihm gestand. "Aber nicht so oft, wie in der Anklage steht", sagte er.
Beide sind bereits wegen Missbrauchs vorbestraft
Sein (Noch-)Ehemann dagegen brach immer wieder in Tränen aus: "Mein Mann war ein Tyrann. Er nimmt sich alles, ohne Rücksicht auf Verluste." Danilo habe mitbekommen, wie Maik den Jungen missbrauchte. "Aber ich hatte nicht die Kraft, mich zu trennen."
Mehr noch: Laut Anklage hat er einige Male sogar mitgemacht. Außerdem wirft der Staatsanwalt dem Paar vor, sich auch am jüngeren Bruder von Jan vergriffen zu haben.
Jan zog letztlich aus, erstattete Anzeige. Die Täter wurden verhaftet. "Der Tag war für mich eine Erleichterung", so Danilo.
Dem Paar wurde übrigens in der Zeit, als der Junge bei den Männern wohnte, angetragen, Jan in Pflege zu nehmen oder gar zu adoptieren. Doch darauf verzichteten sie. Wohlweislich! "Wegen des polizeilichen Führungszeugnisses", maulte Maik.
Darin ist nämlich vermerkt, dass beide bereits 2007 wegen Missbrauchs Strafen (Geldstrafe und Bewährung) kassierten. Urteil folgt.
Titelfoto: Bildmontage: Peter Schulze
