Dresden - Er hat sie nur geimpft. Doch danach brach über einen Arzt (42) aus der Lausitz die Hölle los. Laut Anklage bedrohte, beleidigte, stalkte Janett H. (44) den Mediziner über Jahre. Jetzt startete der Prozess am Amtsgericht Dresden gegen die Bürokauffrau.
"Wir haben uns nur zwei Mal gesehen", so der Mediziner im Gericht, der damals im Impfzentrum Kamenz arbeitete. "Wir trugen Masken. Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie in der Stadt einfach so erkennen würde."
Nach der ersten Impfung im Juni 2021 schrieb Janett eine begeisterte Bewertung über ihn, bestand bei der zweiten Impfung im Juli 2021 darauf, wieder von ihm gespritzt zu werden.
"Sie hatte eine Mappe mit dem Aufdruck 'Landesärztekammer' dabei. Ich sprach sie darauf an und sie sagte, 'Ja, ich arbeite da und habe mir ihr Profil schon angeschaut.' Das war komisch", erinnerte sich der Arzt. Bei der Landesärztekammer sind sämtliche Daten der hier gemeldeten Mediziner hinterlegt.
Und plötzlich wurden von dem Arzt Fake-Accounts erstellt, er wurde ständig drohend und beleidigend angeschrieben. Er fühlte sich ausspioniert: Ob er auf Weiterbildung oder im Urlaub war, immer wurde er in Mails darauf angesprochen.
Präsident der Ärztekammer erschien ohne Aussagegenehmigung im Gericht
"Ständig wurde versucht, sich in meine Accounts einzuloggen", so der Arzt. Mit seinen Daten wurden Konten bei "Beate Uhse" oder bei Waffenhändlern angelegt. Für Janett und ihn wurden mit seinen Daten Blutspende-Termine vereinbart. Er bekam sogar Morddrohungen.
Er wandte sich an die Ärztekammer, die aus Datenschutzgründen nichts zu ihrer Mitarbeiterin kundtat. Immer wieder ging er zur Polizei, die Ermittlungen liefen schleppend. Erst 2024 wurde bei Janett durchsucht, die Anklage war 2025 endlich fertig. Nun wird verhandelt.
Die Angeklagte schweigt im Prozess. Licht ins Dunkel hätte der Präsident der Ärztekammer bringen können. Doch der kam zur Zeugenvernehmung ohne behördliche Aussagegenehmigung. "Die brauche ich nicht", so Sachsens oberster Mediziner. Die Juristen belehrten ihn eines Besseren und schickten ihn (vorerst) wieder weg.
Der Prozess wird fortgesetzt.