Prozess um überhöhte Rechnungen: Was lief da bei Hornbach ab?

Dresden - Es gibt immer was zu tun. Der Baumarkt-Slogan war Programm: Stephan H. (42) rückte in den Jahren 2014 und 2015 oft bei Hornbach in Kaditz an, um dort zu werkeln.

Stephan H. (42) beteuerte am Amtsgericht seine Unschuld.
Stephan H. (42) beteuerte am Amtsgericht seine Unschuld.  © Peter Schulze

Laut Anklage aber stellte der Lausitzer für seine Hilfsarbeiten auch falsche Rechnungen. Und so saß er nun wegen Beihilfe zur Untreue vorm Amtsrichter in Dresden.

Rabatten pflegen, Regale aufbauen, Gartenhäuser streichen, Unkrautzupfen. Die Aufgaben waren vielfältig, die der damalige Marktleiter Christoph A. an seinen alten Spezi Stephan vergab. Man kannte sich, stammte aus derselben Lausitzer Region.

"Und ich war froh über Aufträge", so Stephan H. Laut Staatsanwältin aber führte der Marktleiter Übles im Schilde: "Unter Ausnutzung seiner Befugnisse löste er unberechtigte Zahlungen an sich und Dritte aus", so die Juristin.

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Stephan H. habe seinerseits überhöhte Rechnungen gestellt, Christoph A. wies sie an und schusterte seinem Kumpel so 7205 Euro zu.

Er aber hatte für jede angeblich falsche Rechnung plausible Erklärungen: vom Zahlendreher bis zu steuerlichen Abrechnungen der Sub-Unternehmer.

Mittlerweile geht es laut Landgericht um Veruntreuung von mehr als 300.000 Euro!

Bei Hornbach gab es für den Lausitzer Kleinunternehmer immer was zu tun.
Bei Hornbach gab es für den Lausitzer Kleinunternehmer immer was zu tun.  © imago images/Agentur 54 Grad

"Ich habe nie auch nur eine falsche Rechnung gestellt", beteuerte Stephan H. Auch der Richter erklärte nach dem Studium von Zahlen, Tabellen und nach dem Hören von Zeugen: "Eine Verurteilung drängt sich nicht gerade auf." Er stellte das Verfahren ein.

Baumarktchef Christoph A. flog übrigens durch eine anonyme Anzeige auf, ist seit 2015 kein Marktleiter mehr. Eine Anklage, die dem Landgericht vorliegt, wirft ihm Veruntreuung von über 300.000 Euro vor.

Und die Strafverfolgungsbehörde vermutet, dass er die Daten der Firmen, die für ihn arbeiteten, nutzte, um Kleinsponsoren-Verträge mit Dynamo einzufädeln und so zahlreiche VIP-Tickets abzugreifen...

Titelfoto: Peter Schulze/imago images/Agentur 54 Grad

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