Rentner um 180.000 Euro betrogen: Mutmaßlicher Telefonbetrüger in Dresden vor Gericht
Dresden - Da hat er sich wohl sicher gefühlt: Drei Jahre lang fahndete die Dresdner Staatsanwaltschaft nach Hassan R. (36). Der Deutsch-Libanese soll einer der Hintermänner einer Telefonbetrügerbande gewesen sein. Doch in der Türkei wurde er schließlich aufgespürt, im Oktober 2025 nach Deutschland ausgeliefert. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben.
Die Taten sind schon lange her: Zwischen November 2020 und März 2021 soll sich Hassan R. an 14 Betrugsfällen der Masche "Falscher Polizist" beteiligt haben.
Dabei wurden bundesweit Rentner in Angst versetzt, ihnen Erspartes und jedes Mal auch die Bankkarte abgenommen. Gesamtschaden: rund 180.000 Euro.
Hassan R. soll dabei allerdings kein einfacher Abholer gewesen sein: "Er soll Geldabholer angeworben und Konten für den Empfang unberechtigter Überweisungen angelegt haben", sagt Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt (50).
Dafür spricht auch der recht große Anteil an der Gesamtbeute, den er erhalten haben soll: 37.000 Euro soll ihm der Betrug gebracht haben.
Dabei waren auch drei Opfer in Sachsen betroffen: Am 22. November 2020 nahm die Bande einer damals 77-Jährigen in Dresden Schmuck für 3600 Euro und die EC-Karte ab.
Mit dieser Karte soll Hassan R. bei einem Juwelier in Duisburg Schmuck für 3600 Euro gekauft haben, außerdem verschwanden vom Konto 20.000 Euro.
Telefonüberwachung brachte Ermittler auf die Spur von Hassan R.
Am 4. Dezember 2020 traf es eine damals 81-Jährige in Dippoldiswalde: Mit ihrer Bankkarte wurden 17.000 Euro erbeutet.
Am 2. Februar 2021 soll die Truppe noch mal in Dresden zugeschlagen haben. Mit der Karte einer damals 87-Jährigen verschwanden 4000 Euro.
Zumindest der Abholer aus Dippoldiswalde ist mittlerweile vom Essener Landgericht zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden, zu den Dresdner Abholern laufen die Ermittlungen noch.
Auf die Schliche kam man Hassan R. unter anderem durch Telefonüberwachungen, aus denen hervorging, wie er die Abholer zu den Opfern schickte. In Dorsten geboren, stand er in Nordrhein-Westfalen schon öfter vor Gericht.
Zuletzt verurteilte ihn das Gladbecker Amtsgericht 2015 zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Diebstahls und Körperverletzung. Wann er genau in die Türkei abtauchte, ist nicht geklärt.
Er selbst schweigt zu den Tatvorwürfen und wartet nun in Untersuchungshaft auf seinen Prozess vor dem Dresdner Landgericht.
Titelfoto: Montage: Thomas Türpe, 123 / fizkes

