Richter vergaßen Unterschrift: Alles zurück auf Los für den Angeklagten

Dresden - Bei diesem Kriminellen blamierte sich die sächsische Justiz bis auf die Knochen!

Ammar R. (29) beschäftigt seit Jahren immer wieder die Justiz.
Ammar R. (29) beschäftigt seit Jahren immer wieder die Justiz.  © Steve Schuster

Weil die Richter das Urteil gegen Ammar R. (29) nicht unterschrieben, hatte es keinen Bestand. Am gestrigen Dienstag startete der Wiederholungsprozess in Dresden. Und schon jetzt ist klar: Es wird zäh und keiner der Beteiligten bekleckert sich dabei mit Ruhm.

Der Fauxpas war enorm: Im Jahr 2018 bekam Ammar (nach einem Jahr Prozess) mehr als fünf Jahre Haft aufgebrummt. Wegen Drogenhandel, sexueller Nötigung, Körperverletzung und Beleidigung, begangen in den Jahren 2014 und 2015.

Weil das Urteil nicht unterschrieben wurde, ordnete der Bundesgerichtshof einen neuen Prozess an.

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Der ließ allerdings auf sich warten: Denn Ammar kam durch das ungültige Urteil frei, war kein dringlicher Fall mehr.

Seither bemüht sich die Justiz, das Verfahren zu verschlanken. Motto: Geständnis gegen milde Strafe.

Allein: Mal sind sich die Anwälte nicht einig. Ein anderes Mal verhindert die justizinterne Rotation Absprachen. Ständig sind andere Richter oder Staatsanwälte für den Fall zuständig.

Angeklagter begeht derweil weitere Straftaten

Und Ammar? Beging derweil noch weitere Straftaten, kassierte dafür weitere Urteile. Derzeit sitzt er für mehr als drei Jahre in anderer Sache. Erst im Juli dieses Jahres kam ein Urteil von mehr als zehn Jahren Knast dazu, weil er mit 50 Kilo Crystal Meth dealte. Bei dem Urteil schrammte er obendrein haarscharf an einer Sicherungsverwahrung vorbei!

Von einer Vereinfachung des aktuellen Prozesses kann also keine Rede sein. Und die Richter müssen nun nicht nur die Uralt-Fälle von 2014 und 2015 neu aufrollen. Sie verhandeln eine neue Anklage gegen Ammar mit. Demnach vermöbelte er einen Mann, der bei Gericht gegen seinen Kumpel ausgesagt hatte.

Das Urteil folgt - jedoch frühestens im März 2023!

Titelfoto: Steve Schuster

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