Senioren bis zu Hunderttausende Euro abgeknöpft: Fieser Enkeltrickser vor Gericht
Dresden - Ihre dreiste Masche wird immer perfider! Mit sogenannten Schockanrufen bringen Betrüger arglose Senioren um deren Ersparnisse. Neuester Trick: Die Täter geben sich am Telefon als Klinikprofessoren aus und behaupten, nahe Verwandte lägen mit Krebs im Endstadium auf Station. Dringend wäre Geld für ein teures Medikament nötig.
Die erschütterten Senioren rücken daraufhin Wertsachen raus, um ihre Angehörigen zu retten. So kassierte Filip M. (20) innerhalb von drei Monaten im Auftrag der Bande Beute im Gesamtwert von 790.000 Euro bei den Opfern ab.
Nun ist ein Prozess gegen den Polen am Amtsgericht in Dresden. "Ich bekam im Internet ein Jobangebot als Kurierfahrer", so der geständige Filip, der pro Fahrt 400 Euro verdiente, Mietauto und Hotel bezahlt bekam. Dass er nur Anweisungen per Handy bekam, nach jeder Tour die SIM-Karte im "Diensthandy" wechseln musste, störte ihn kaum.
So holte er bei einem Rentner (81) in Bühlau eine Münzsammlung (vier Kilo) im Wert von 370.000 Euro ab! Der Senior agierte in panischer Sorge um seinen angeblich todkranken Sohn.
Das Opfer und eine weitere Omi (85), bei der die Übergabe von 21.000 Euro scheiterte, alarmierten die Polizei.
Filip will nichts von Schockanrufen gewusst haben
Die suchte sofort bundesweit Hinweise und wurde fündig: In Baden-Württemberg, Niedersachsen und in Plauen im Vogtland wurden ebenfalls Senioren betrogen. Und immer tauchte dabei die private Handynummer von Filip am Tatort auf.
Im September 2025 entdeckten die Fahnder ihn in Plauen in einem 4-Sterne-Hotel. Er wurde observiert, als er im Stadtteil Haselbrunn einer 92-jährigen Omi 6000 Euro abknöpfte. Die Seniorin glaubte, die Kaution für ihre Tochter zu zahlen. Die hatte angeblich einen tödlichen Unfall verursacht, behauptete zumindest eine "Staatsanwältin" am Telefon. Alles gelogen!
Kurz darauf klickten Handschellen, Filip kam in U-Haft. Von den Schockanrufen will er nichts gewusst haben: "Ich bin erschüttert, was da ablief", so der Angeklagte im Prozess.
Urteil folgt.
Titelfoto: Bidlmontage: Sebastian Gollnow/dpa, Thomas Türpe

