Dresden - Das gab es noch nie am Landgericht Dresden! Im Prozess gegen zwei mutmaßliche Fahrraddiebe fordert der Staatsanwalt Ordnungsgeld für eine Verfahrensbeteiligte. Ausgerechnet die Gutachterin in dem Fall soll 1000 Euro zahlen!
Wer durch Missachtung des Gerichts auffällt, bekommt Ordnungsgeld aufgebrummt. Meist trifft es unwillige Zeugen, pöbelnde Angeklagte oder lärmende Zuschauer. Doch nun soll eine bayrische Gutachterin zahlen!
Angeklagt sind Sebastian K. (51) und Michal P. (38). Die Polen sollen mit anderen Tätern Radgeschäfte geplündert haben. Schaden: 214.000 Euro. Der Trupp setzte dafür unter anderem Überwachungskameras mit Joghurtbechern "außer Gefecht".
Da Drogen und Alkohol bei den Taten im Spiel waren, sollte die Gutachterin prüfen, ob die Angeklagten vermindert schuldfähig waren und neben Knast auch die Unterbringung in der Entziehungsanstalt nötig ist.
Zwar untersuchte die Medizinerin beide Beschuldigte. Aber auf ihren mündlichen Bericht im Prozess wartete die hiesige Justiz bisher vergeblich.
Dresdner Staatsanwaltschaft fordert Ordnungsgeld von über 1000 Euro
Erst platzen eigens dafür geplante Termine, weil die Psychologin sich Stunden vorher in den Urlaub verabschiedete. "Das habe ich meiner Zeit als Richter noch nie erlebt", so der Vorsitzende konsterniert. Der Prozess musste unterbrochen werden. Nun war die Gutachterin erneut geladen. Doch wieder sagte sie wenige Stunden vorher ab. Diesmal wegen Krankheit.
Dem Dresdner Staatsanwalt platzte der Kragen: Er forderte, ein Ordnungsgeld über 1000 Euro zu verhängen. Noch hat die Kammer nicht entschieden.