Block-Prozess: Mutmaßlicher Kindesentführer wird weiter befragt
Von Bernhard Sprengel und Stephanie Lettgen
Hamburg - Tag acht des Prozesses um die Entführung der beiden jüngsten Kinder von Christina Block (52) geht am heutigen Freitag mit der Befragung eines Angeklagten weiter.

Dem Israeli S. war nichts über einen förmlichen Auftrag zur Entführung ihrer Kinder aus der Obhut des Vaters in Dänemark bekannt.
"Nichts wurde mir gesagt über einen Vertrag oder ein Abkommen oder sonst was", sagte der 36 Jahre alte Israeli laut Dolmetscher auf eine Frage der Vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt.
Der Chef der israelischen Sicherheitsfirma, David B, der laut Anklage die Entführung in der Silvesternacht 2023/24 durchführte, habe nur von dem großen Wunsch der Familie Block und deren Angst um die Kinder gesprochen.
Weil man sich aufgrund einer anderen Tätigkeit der Familie "angenähert" habe, habe man ihr helfen wollen. Der Chef der Sicherheitsfirma habe so eine Aktion aber noch nie zuvor gemacht, betonte der Angeklagte. Jeder Beteiligte sollte 10.000 Euro bekommen.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Israeli vor, gemeinsam mit Komplizen den damals zehn Jahre alten Jungen und das 13-jährige Mädchen gewaltsam aus der Obhut des Vaters in Dänemark entführt zu haben, um die Kinder nach einem jahrelangen Sorgerechtsstreit zurück zur Mutter nach Deutschland zu bringen. Blocks Ex-Mann Stephan Hensel war dabei zu Boden geschlagen worden.
Block-Prozess: Mutmaßlicher Entführer seit elf Monaten in Haft

Der Israeli hatte am vergangenen Donnerstag gestanden, dass er an der "Operation" in Süddänemark beteiligt war und sie leitete.
Es sei aber nicht um eine Entführung gegangen. Die israelische Sicherheitsfirma habe erklärt, es gehe um eine Rettung der Kinder vor ihrem angeblich gefährlichen Vater, der die Kinder manipuliere.
Er habe diese Angaben nicht hinterfragt, sondern geglaubt, betonte der Mann bei der Fortsetzung der Befragung. Ende August 2021 waren der Junge und das Mädchen von einem Besuch bei ihrem Vater nicht zurückgekehrt.
Das Gericht stellte zahlreiche Fragen zum Ablauf des Geschehens in der Silvesternacht. Warum die Kinder denn von Dänemark auf einen Hof nach Süddeutschland gefahren worden seien und nicht direkt nach Hamburg, wollte die Vorsitzende Richterin wissen. Der Angeklagte konnte das nicht beantworten.
Am 3. Januar sei er zurück nach Israel geflogen, berichtete er weiter. Bei einem späteren Treffen von Mitarbeitern der Sicherheitsfirma habe er erfahren, dass die Kinder wieder zurück beim Vater seien. "Das war eine schlechte Nachricht für uns", sagte der 36-Jährige. Es sei "als ob wir das für nichts gemacht haben".
Vier Tage nach der Rückholaktion waren die Kinder auf Anordnung des Hanseatischen Oberlandesgerichts (OLG) wieder zu ihrem Vater nach Dänemark gebracht worden. Im Februar 2024 entschied das OLG, dass deutsche Gerichte nicht mehr zuständig seien. Die Kinder hätten inzwischen ihren verfestigten Lebensmittelpunkt in Dänemark.
Erstmeldung um 9.21 Uhr, aktualisiert um 15.02 Uhr.
Titelfoto: Marcus Brandt/dpa /dpa