Tierquälerei-Skandal in Leipzig: Chihuahua wird misshandelt, bis Augen platzen

Leipzig - "Ihr müsst meinem Baby helfen", schreit Julia S.* (28), bevor sie an einem Mittwoch im Juni 2025 in einer Leipziger Tierarztpraxis wimmernd zusammenbricht. Im Arm hält sie ihre schwer verletzte Chihuahua-Hündin Bella, eingewickelt in ein blutdurchtränktes Handtuch. Beide ihrer Augen sind geplatzt. Am heutigen Freitag beschäftigte sich das Leipziger Amtsgericht mit den Geschehnissen jenes Juni-Tages und der Tat eines offenbar im Leben gescheiterten und mehrfach vorbestraften 43-Jährigen, der seine brutale Wut an einem vier Kilogramm schweren Hündchen ausließ.

Der angeklagte Vladimir B. (43) erschien am Freitag nicht vor Gericht und ließ sich von seiner Verteidigerin Ines Kreisel vertreten. Zuvor war B. bereits unter anderem wegen Diebstahls, schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.  © Silvio Bürger

Der angeklagte Vladimir B. (43), Ex-Partner von S., ist selbst nicht vor Gericht erschienen. Seine Verteidigerin Ines Kreisel gibt an, seit einer kürzlich bei ihm erfolgten Razzia nichts mehr von B. gehört zu haben. Vermutlich hätten die Behörden sein Telefon, aufgrund des Vorwurfs des Drogenhandels in nicht geringer Menge, beschlagnahmt.

Im Zeugenstand berichtet Julia S., wie sie am besagten Tag nach der Arbeit mit dem Auto nach Hause gerast war. "Es ist etwas mit Bella passiert", hatte ihr B. zuvor am Telefon gesagt.

Als sie an ihrem Zuhause im Leipziger Nordwesten ankommt, steht Vladimir B. mit einem blutigen Bündel auf dem Arm bereits unten vor der Tür und setzt sich dann auf die Rückbank des Wagens.

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Beim Tierarzt angekommen, hält B. seiner Partnerin noch die Tür auf, bevor er verschwindet. Bella wird aufgrund der Schwere der Verletzungen umgehend in die Tierklinik der Universität überstellt. Dort werden ihr am nächsten Tag beide Augäpfel entfernt. Die Mediziner diagnostizieren zudem eine Schädelfraktur und Knochenrisse im Kieferbereich.

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Vladimir B. misshandelte Chihuahua-Hündin Bella so schwer, dass ihre Augen entfernt werden mussten. (Symbolfoto)  © 123RF/irinanedikova

Richterin Ute Fritsch: "Das ist so herzlos, so brutal"

Richterin Ute Fritsch (M.) verurteilte B. in Abwesenheit unter Einbeziehung eines ebenfalls verhandelten Betrugsfalles zu 260 Tagessätzen à 15 Euro. Zudem ist es ihm für die nächsten drei Jahre untersagt, Tiere zu halten.  © Silvio Bürger

Julia S. beschreibt ihren Ex, mit dem sie fünf Jahre lang liiert war, als einen Bilderbuch-Narzissten. "Wenn er hier sitzen würde, würde ich kein Wort rausbekommen", sagt die gelernte Floristin mit erstickter Stimme. Vladimir B. habe sich bei ihr eingenistet, sei immer wieder ausgerastet, habe sie nicht zur Arbeit gehen lassen und ihre Vorgesetzten bedroht, sodass sie zwei Jobs verlor.

Aus Angst habe sie die Beziehung jedoch nicht beenden können. "Er wäre nicht gegangen", so die 28-Jährige.

Auch ihre Hündin Bella habe er immer wieder schikaniert. Auslöser für den folgenschweren Ausraster an jenem Juni-Tag sei gewesen, dass Bella an Durchfall litt und ins Bett gemacht hatte.

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"Solch schweren Verletzungen habe ich bei einem Hund noch nicht gesehen", bestätigt die behandelnde Tierärztin vor Gericht. Entstanden sein könnten sie durch Würgen oder indem man Bella im Nacken gepackt und geschleudert habe. Hinzu kämen Spuren stumpfer Gewalteinwirkung. Nachdem Bellas Augäpfel entfernt worden waren, vernähte man ihr die Augenlider. Am selben Tag brachte S. die Kraft auf, sich endlich von Vladimir B. zu trennen.

Richterin Ute Fritsch verurteilte den arbeitslosen Vladimir B. schlussendlich in Abwesenheit zu 260 Tagessätzen à 15 Euro (insgesamt 3900 Euro). Zudem ist es ihm für die nächsten drei Jahre untersagt, Tiere zu halten. "Das ist so herzlos, so brutal, dass man sich das fast nicht ausmalen kann", begründete Fritsch.

*Name geändert

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