Totschlags-Prozess in Leipzig: Hirntod mit sieben Monaten - hat diese Mutter ihr Baby umgebracht?
Leipzig - Er durfte nur sieben Monate alt werden. In Leipzig ist ein kleiner Junge gewaltsam zu Tode gekommen. Seit Mittwoch steht seine Mutter vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Totschlag vor.
Natalie J. (24) ist eine zierliche Frau mit zarter Goldrandbrille und Nasenpiercing. Die buntgefärbten Haare trägt sie zum Dutt gebunden. Rein äußerlich deutet nichts darauf hin, dass diese junge Mutter von drei Kindern zu Gewalt neigen könnte.
Umso rätselhafter ist es, was am Vormittag des 29. April 2024 in der Grünauer Wohnung der Familie geschah. Kurz nach 11.30 Uhr erreichten an diesem Tag insgesamt vier Notrufe von Natalie J. die Rettungsleitstelle. "Kommen Sie schnell, mein Kind atmet nicht mehr", rief sie immer wieder ins Telefon.
Der kurz darauf eintreffende Notarzt konnte den kleinen Ben zwar noch reanimieren, doch am nächsten Tag schloss der sieben Monate alte Junge in der Kinderklinik für immer seine Augen.
Die Obduktion förderte schwerste Hirnschäden zutage, die nach Einschätzung der Rechtsmediziner nur durch äußere Gewalteinwirkung entstanden sein können, etwa durch heftiges Schütteln oder Werfen.
Verteidigerin kündigt Aussage der Mutter an
Dem Rettungsdienst gegenüber und später auch bei der Polizei gab sich Natalie J. ahnungslos. Sie könne sich die Verletzungen nicht erklären, sagte sie damals. Der Junge habe auf der Couch gelegen und plötzlich aufgehört zu atmen.
Damals wurde die berufslose Hausfrau von der Kripo noch als Zeugin geführt, da auch ihr Partner im Haushalt lebte. Der war allerdings zum Tatzeitpunkt auf der Arbeit, wie die Ermittler schnell herausfanden.
Seit Natalie J. als Beschuldigte geführt wird, hat sie keinerlei Aussagen mehr gemacht. Auch zum Prozessauftakt am Mittwoch wollte sie sich nicht äußern. Ihre Verteidigerin kündigte jedoch eine Aussage für Freitag an.
Als der Staatsanwalt die Anklage verlas und von Totschlag sprach, rollten bei der jungen Frau, die zum Tatzeitpunkt noch eine dreijährige Tochter hatte, die Tränen. Anfang dieses Jahres wurde Natalie J. zum dritten Mal Mutter - es ist wieder ein Junge.
Titelfoto: Ralf Seegers

