Ewige Ruine in Fellbach: Prozess um Schwabenland-Tower steht vor dem Aus

Von Oliver Schmale

Stuttgart - Fast zehn Jahre nach der Insolvenz des noch immer nicht fertiggestellten Schwabenlandtowers in Fellbach bei Stuttgart kann sich das für die zwei Ex-Investoren und Geschäftsführer des Hochhausprojekts positiv auswirken.

Seit vielen Jahren ruht der Bau des Schwabenlandtowers in Fellbach nahe Stuttgart.  © Marijan Murat/dpa

Der Vorsitzende Richter verwies auf eine drohende Verjährung der Vorwürfe, die mehrjährige Verfahrensdauer und den geringen Zeitraum der mutmaßlichen Insolvenzverschleppung. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorstoß der Wirtschaftsstrafkammer.

Den beiden Angeklagten, Vater und Sohn, heute 79 und 46 Jahre alt, wird Insolvenzverschleppung und Marktmanipulation bei Baden-Württembergs höchstem unvollendeten Wohngebäude zur Last gelegt.

Die Angeklagten sollen es trotz Zahlungsunfähigkeit ab Mai 2016 über fünf Monate unterlassen haben, einen Insolvenzantrag zu stellen. Die Angeklagten hätten bereits seit Mai gewusst, dass sie nicht mehr in der Lage gewesen seien, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, sagte die Staatsanwältin.

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Der Vorsitzende Richter sprach von einer "atypischen Insolvenz". Der Zeitraum der Insolvenzverschleppung sei gering. Die Angeklagten hätten ihre Zahlungsschwierigkeiten offengelegt und es habe eine Schicksalsgemeinschaft zwischen Baufirma und Investor bestanden.

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Kurs von Anleihe manipuliert

Die Angeklagten sollen falsche Angaben über die wirtschaftlichen Verhältnisse und über den Stand beim Bau des Hochhauses gemacht haben.  © Franziska Kraufmann/dpa

Die Angeklagten widersprachen in einem Zeitungsinterview Gerüchten über eine finanzielle Schieflage bei dem Projekt. Außerdem sollen in einer Pflichtmitteilung für die Börse irreführende Angaben gemacht worden sein. In Wirklichkeit sei aber die weitere Finanzierung des Bauprojekts ungeklärt gewesen, so die Anklage.

Die Bauruine am Rande von Fellbach bei Stuttgart ist eine sichtbare Landmarke. Der Schwabenlandtower weist eine unrühmliche, jahrelange Geschichte aus Pleiten und Versprechungen auf. 2014 erfolgte der Baustart des damals noch Gewa-Tower genannten Hochhauses mit 66 hochwertigen Wohnungen, Geschäftsräumen und einem Hotel.

Zur Finanzierung des Gesamtprojekts des 107 Meter hohen Wohnturms und Hotels wurde einst eine Anleihe im Gesamtwert von bis zu 35 Millionen Euro im Jahr 2014 aufgelegt. Sie war mit 6,5 Prozent jährlich verzinst.

Wie entwickelte sich das Projekt nach der Pleite weiter?

Nach der Insolvenz der jetzt angeklagten ersten Bauherrn begann die jahrelange Hängepartie. Der neue Eigentümer verordnete dem Bau ein neues Konzept. Nach Jahren des Stillstands begann ein neuer Projektentwickler dann zwischenzeitlich damit, die geplanten Luxusappartements in kleinere, preiswertere Mietwohnungen umzuwandeln.

Zuletzt gehörte der Rohbau der schwankenden Adler Group. Der Immobilienkonzern reicht ihn nun weiter.

Wenige Tage nach dem Amtsantritt von Oberbürgermeisterin Gabriele Zull (parteilos) war der erste Bauherr 2016 endgültig in eine finanzielle Schieflage geraten. Zull sagte nun: "Seitdem gab es verschiedene Ansätze von Investoren, das Projekt fertigzustellen."

Oberbürgermeisterin Zull setzt bei der Vollendung des Bauwerks auf den künftigen neuen Investor: "In den vergangenen Monaten sind Rückbauten erfolgt." Sobald die Verhandlungen abgeschlossen seien, werde der Investor sicher über den Fortgang berichten.

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