Nach illegalem Autorennen mit zwei toten jungen Frauen: Raser wegen Mordes verurteilt

Von Martin Oversohl

Stuttgart - Etwas über ein Jahr nach einem Autorennen mit zwei Toten in Ludwigsburg ist der Unfallverursacher wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Der Hauptangeklagte (33) muss lebenslang ins Gefängnis.  © Marijan Murat/dpa

Der Mann hatte sich vor einem Jahr mit seinem Bruder in Ludwigsburg ein Rennen geliefert - sein Wagen hatte das Auto zweier junger Frauen gerammt. Der Bruder, der einen zweiten Wagen gefahren haben soll, muss wegen versuchten Mordes für 13 Jahre in Haft.

Monatelang hatten sich die Kammer des Stuttgarter Landgerichts, Angehörige, Anwälte und zahlreiche Besucher im Prozess gegen die zwei angeklagten Fahrer und ihren Cousin Videos angeschaut, es wurden Gutachten in Auftrag gegeben, Zeugen gehört und Einlassungen verlesen.

Im Zentrum stand dabei stets die Frage, ob der Fahrer als Mörder verurteilt oder ob der Fall juristisch anders bewertet wird.

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Abgebremst und immer wieder Gas gegeben

Die zu der Tatzeit 32 Jahre, 34 Jahre und 25 Jahre alten Männer sollen sich vor einem Jahr in Ludwigsburg zu einem illegalen "Beschleunigungsrennen" verabredet haben.  © Marijan Murat/dpa

Angeklagt waren zwei Brüder im Alter von 33 und 35 Jahren sowie ihr 26-jähriger Cousin. Nach Überzeugung des Gerichts verabredeten sich die drei Türken am Abend des 20. März 2025 zu einem illegalen Rennen in der Ludwigsburger Innenstadt. Sie rasten durch eine Bahnhofsunterführung, bremsten, stimmten sich ab und beschleunigten erneut - teils in einer Tempo-50-Zone.

Dabei filmten sie und feuerten sich an. Schließlich rammte der jüngere Bruder mit mehr als 130 Kilometern pro Stunde das Auto von zwei Frauen im Alter von 22 und 23 Jahren, die gerade eine Tankstelle verlassen wollten und bei dem Unfall ums Leben kamen. 

Mit dem Urteil folgt das Gericht der Staatsanwaltschaft. Der mutmaßliche Unfallverursacher habe kurz vor dem Aufprall Vollgas gegeben, obwohl er die lebensgefährliche Situation erkannt habe, hatte diese argumentiert.

An der Unfallstelle wurden im März 2025 Blumen und Kerzen abgelegt.  © Bernd Weißbrod/dpa

Angeklagte räumen Verantwortung ein

Die Verteidiger hatten die Mordvorwürfe zurückgewiesen. Sie bestritten, dass die Angeklagten den Tod anderer billigend in Kauf genommen hätten, und plädierten auf fahrlässige Tötung. Die Angeklagten selbst räumten teils Verantwortung ein, bestritten jedoch, jemanden bewusst gefährdet zu haben.

Juristisch ist der Fall heikel: Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2017 sind illegale Autorennen ausdrücklich strafbar. Bei Todesopfern drohen mehrjährige Haftstrafen, in besonders schweren Fällen auch eine Verurteilung wegen Mordes. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ein Fahrer den Tod anderer nicht nur für möglich hält, sondern ihn billigend in Kauf nimmt.

In der Vergangenheit haben Gerichte in ähnlichen Fällen unterschiedlich entschieden - von fahrlässiger Tötung bis hin zu Mordurteilen.

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