Prozess um Schwabenland-Tower zieht sich hin: Was passiert mit der Bauruine?
Von Oliver Schmale
Stuttgart - Ein schnelles Ende im Prozess um die Hintergründe der Insolvenz von Baden-Württembergs höchstem unvollendeten Wohngebäude in Fellbach bei Stuttgart ist vorerst nicht in Sicht.
Für die Staatsanwaltschaft kommt eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Betracht, wie der Richter der Wirtschaftsstrafkammer mitteilte.
Aus Sicht der Ankläger hätten sich die beiden Ex-Investoren und Geschäftsführer des Hochhausprojekts weder zur Sache noch zur Person geäußert. Außerdem gilt es, die Rolle der Angeklagten zu klären.
Den beiden Angeklagten, Vater und Sohn, heute 79 und 46 Jahre alt, werden Insolvenzverschleppung und Marktmanipulation zur Last gelegt. Sie stehen fast zehn Jahre nach der Insolvenz des noch immer nicht fertiggestellten Schwabenlandtowers vor Gericht.
Am zweiten Verhandlungstag gab es erneut Gespräche zwischen allen Beteiligten. Diesmal regte das Gericht für beide Angeklagten jeweils eine Gesamtgeldstrafe an. Dem Vorschlag der Strafkammer zufolge soll das Verfahren gegen den Sohn im Fall der Insolvenzverschleppung eingestellt werden und er soll gegen ein Geständnis mit einer Gesamtgeldstrafe zwischen 130 und 150 Tagessätzen davonkommen.
Für den Vater kann sich die Kammer zwischen 170 und 190 Tagessätzen als Strafrahmen vorstellen. Zur Höhe der einzelnen Tagessätze gab es zunächst keinen Vorschlag.
Zeitraum der Insolvenzverschleppung sei gering
Die Wirtschaftsstrafkammer hatte zum Prozessauftakt erklärt, dass der Zeitraum der Insolvenzverschleppung gering sei. Die Angeklagten hätten ihre Zahlungsschwierigkeiten offengelegt, und es habe eine Schicksalsgemeinschaft zwischen Baufirma und Investor bestanden. Zugleich betonte der Richter, die Anklage sei nachvollziehbar. Die Ermittlungen dauerten allein fünf Jahre. Der Richter sprach von "Verzögerungen, die zu einer finanziellen Kompensation führen könnten".
Die Bauruine ist eine sichtbare Landmarke. Der Schwabenlandtower weist eine unrühmliche, jahrelange Geschichte aus Pleiten und Versprechungen auf.
Titelfoto: Marijan Murat/dpa
