19-Jährige entführt und nackt in Kiste gesperrt: Prozess gegen Angeklagten neu gestartet

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Von Stefan Hantzschmann

Erfurt - Im Prozess um eine mutmaßliche Geiselnahme einer jungen Frau muss sich ein 54-Jähriger nun auch wegen versuchter Nötigung verantworten.

Nach einer mutmaßlichen Geiselnahme muss sich der Angeklagte (54) vor Gericht verantworten.
Nach einer mutmaßlichen Geiselnahme muss sich der Angeklagte (54) vor Gericht verantworten.  © Martin Schutt/dpa

Er soll unter anderem versucht haben, mit einer E-Mail an die Geschädigte Einfluss zu nehmen, um zu erreichen, dass sie ihre ursprüngliche Aussage revidiert, wie eine Staatsanwältin am Rande der Verhandlung am Landgericht Erfurt sagte. Außerdem soll er auf einem öffentlichen Facebook-Account ein privates Foto der Geschädigten hochgeladen haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 54-Jährigen und einer 57-Jährige unter anderem gemeinschaftliche Geiselnahme in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Die beiden sollen im Juli 2025 die damals 19-Jährige auf einem Grundstück mit Scheune in Vogelsberg (Landkreis Sömmerda) mehrere Tage festgehalten haben.

Der 54-Jährige habe ihr mehrfach gedroht und sie schließlich nackt in eine kleine Holzkiste gesperrt, hieß es in der Anklage. Die Polizei habe die als vermisst gemeldete junge Frau später aus der Kiste befreit. Der 54-Jährige hatte in seiner bereits erfolgten Einlassung die Vorwürfe allesamt bestritten.

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Der Prozess war zunächst ausgesetzt worden, um ein aussagepsychologisches Sachverständigengutachten einzuholen. Nun startete das Verfahren neu.

Die 19-Jährige aus dem Landkreis Nordhausen war nach der Vermisstenmeldung zwei Tage später von der Polizei auf einem Grundstück in Vogelsberg gefunden worden. (Archivbild)
Die 19-Jährige aus dem Landkreis Nordhausen war nach der Vermisstenmeldung zwei Tage später von der Polizei auf einem Grundstück in Vogelsberg gefunden worden. (Archivbild)  © Heiko Rebsch/dpa

Opfer soll nur "Spaziergeh-Freundin" gewesen sein

Die 57-jährige Angeklagte äußerte sich bei der Verhandlung zu ihrer Beziehung zum Angeklagten. "Ich habe ihn wirklich geliebt", sagte sie vor Gericht. Zudem schilderte sie, dass der Angeklagte Sex gebraucht habe, um sein "Energie-Level" aufrechtzuerhalten. Das habe ihr ein "Institut" so erklärt. Sie habe sich Sorgen um dessen Gesundheitszustand gemacht. 

Die damals 19-jährige Geschädigte sei eine "Spaziergeh-Freundin" gewesen, schilderte die Angeklagte. Sie sei in das Leben der beiden getreten, weil auch sie das Energie-Level des Angeklagten aufrechterhalten sollte. Sie habe das auch gewusst.

Titelfoto: Martin Schutt/dpa

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