Von Sabine Dobel, Kilian Pfeiffer
Berchtesgaden - Nach dem verheerenden Brand im von den Nazis errichteten Kehlsteinhaus bei Berchtesgaden ist die Spurensicherung abgeschlossen. Das Gebäude soll nun für den Winter abgesichert werden - gegen weitere Schäden, aber auch gegen mögliche Plünderungen.
Parallel dazu läuft die Debatte über die Zukunft der Ruine auf Hochtouren. Das Thema bestimmte auch die Verbandsversammlung des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden, der das Haus seit 1960 verwaltet und in dessen Verantwortung es nach der Freigabe durch die Polizei wieder übergeht.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Kunstminister Markus Blume (beide CSU) haben bereits den Wiederaufbau angekündigt - der Freistaat ist Eigentümer des Hauses. Experten haben sich bereits gegen eine genaue Rekonstruktion eines vermeintlichen Originalzustands ausgesprochen.
Auch beim Zweckverband gingen die Meinungen in diese Richtung: Die Ruine stehenzulassen oder das Haus ganz abzureißen, sei keine Lösung, hieß es. Auch ein Wiederaufbau im alten Zustand sei nicht seine "favorisierte Variante", sagte der Verbandsvorsitzende Bartl Wimmer. Es müsse ein neues Konzept geben; das Haus müsse Teil der Erinnerungskultur bleiben.
Landrat Michael Koller sprach von einem "interpretativen Wiederaufbau". Es brauche einen Bildungsaspekt und einen touristischen Nutzen. Das würde bedeuten, dass auch wieder eine Gastronomie eingerichtet würde.
Kehlsteinhaus: Hubschrauber sollen Material zur Sicherung bringen
Das Teehaus auf 1834 Metern Höhe wurde 1937/38 auf Initiative des Hitler-Vertrauten Martin Bormann errichtet und war Teil des Führersperrgebiets Obersalzberg bei Berchtesgaden. Ein 33 Jahre alter Mann soll das Feuer dort absichtlich gelegt haben. Er wurde in eine geschlossene Psychiatrie gebracht.
Für die Polizei beginnt nun die Auswertung der Spuren. "Wir werden jetzt unsere Ergebnisse zusammentragen und analysieren", sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag.
Eine konkrete Schadensschätzung gibt es weiter nicht. "Es fällt uns bei einem normalen Wohnhaus leichter, eine Schätzung abzugeben, aber das ist uns bei diesem Gebäude schlicht nicht möglich", sagte Sonntag. Die Feststellung der Schadenshöhe sei Sache der damit beauftragten Sachverständigen.
Unklar ist auch noch, ob der mit Messing verkleidete Luxusaufzug, der über 124 Meter durch den Berg zum Gebäude hinaufführte, beschädigt wurde.
Wenn es das Wetter zulässt, sollen Hubschrauber zur Brandruine starten. Sie sollen vor allem Absperr- und Gerüstmaterial sowie weitere Materialien zur Gebäudesicherung auf den Kehlstein bringen, hieß es in einer Mitteilung des Zweckverbands.
Oberste Priorität hätten die Sicherung des Gebäudes und die großräumige Absperrung des Bereichs. Darüber hinaus solle das Haus so weit wie möglich winterfest gemacht werden, um zusätzliche Schäden durch die Witterung zu verhindern.