Brandstiftung am Kehlsteinhaus? Tatverdächtiger soll zuvor schwere Körperverletzung begangen haben
Von Michael Donhauser
Berchtesgaden - Drei Tage nach der Zerstörung des historisch bedeutsamen Kehlsteinhauses am Obersalzberg bei Berchtesgaden gehen die Ermittlungen zu den Hintergründen der Brandstiftung weiter.
Die Polizei hatte einen 33 Jahre alten Mann festgenommen, dem die Tat angelastet wird. Er wurde noch am Samstag in eine geschlossene Psychiatrie gebracht.
Der Mann mit Wohnsitz in Berlin - aber mit Verbindungen in die Region - hatte sich Tage vor dem Brand selbst bei der Polizei einer Straftat bezichtigt, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bestätigte. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.
Der Mann will demnach 2013 eine schwere Körperverletzung verübt haben. Damals war ein Mann am Nikolaustag am Rande des traditionellen Buttenmandllaufs mit einer Bierflasche schwer am Kopf verletzt worden.
Delikte dieser Art verjähren üblicherweise nach zehn Jahren und könnten somit nicht mehr verfolgt werden. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein, Rainer Vietze, sagte, die Angaben des Mannes müssten erst noch auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden.
Keine Angaben machte er zu Informationen der "Bild"-Zeitung, wonach bei dem Tatverdächtigen auch Material gefunden wurde, das auf eine Verbindung zur linksgerichteten Antifa-Bewegung hindeutet.
Auch zu Spekulationen über eine mögliche Drogenabhängigkeit des 33-Jährigen nahm Vietze mit Verweis auf die erst angelaufenen Ermittlungen keine Angaben.
Gebäude soll wiederaufgebaut werden
Das seit Jahrzehnten als Berggasthof genutzte Gebäude brannte in der Nacht zum Samstag fast vollständig nieder. Der Schaden geht nach ersten Schätzungen in die Millionen. Die Feuerwehr musste mit bis zu 200 Einsatzkräften unter teils widrigen Wetterumständen zu dem mehr als 1800 Meter hoch gelegenen Kehlsteinhaus vorrücken. Die Löscharbeiten waren am Sonntag beendet worden.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (70, CSU) hatte bereits am Samstag angekündigt, dass das geschichtsträchtige Gebäude, das sich im Eigentum des Freistaates Bayern befindet, wieder aufgebaut werden soll. "Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können", sagte der Minister.
Erstmeldung 9.09 Uhr, Update 11.46 Uhr.
Titelfoto: PP Oberbayern Süd
