Berlin - Zwischen 1998 und 2005 war August Hanning (80) Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND). Nun wurde er festgenommen. Ihm und einem seiner Mitarbeiter werden Spionage und versuchter Landesverrat vorgeworfen!
Am Dienstagmorgen wurden der frühere BND-Chef Hanning sowie sein früherer Büroleiter Manfred D. festgenommen, wie der Generalbundesanwalt mitteilte.
Beamte des Bundeskriminalamts rückten dafür im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen (Bayern) und im Kreis Steinfurt (Nordrhein-Westfalen) aus. Zudem wurden Räumlichkeiten in Berlin durchsucht.
Den Beschuldigten wird vorgeworfen, sich wegen mutmaßlicher landesverräterischer Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen sowie versuchten Landesverrats und Spionage zusammengeschlossen zu haben.
Während Manfred D. nach Ende der BND-Amtszeit von Hanning auch zwischen 2012 und 2022 weiterhin für den deutschen Auslandsnachrichtendienst als Büroleiter tätig war, soll er gegen Bezahlung "wertvolle Erkenntnisse" des BND an Hannig weitergeleitet haben. Laut Generalbundesanwaltschaft geht es hier um rund 2000 Dokumente, darunter hoch vertrauliche Verschlusssachen.
"Das Material war ausschließlich für interne Zwecke des Bundesnachrichtendienstes bestimmt. Es diente zur Unterrichtung und Vorbereitung der Behördenleitung, insbesondere für die sogenannte nachrichtendienstliche Lagebesprechung. Hierbei handelt es sich um eine regelmäßige Zusammenkunft von Spitzenbeamten der Bundesressorts und verschiedener deutscher Sicherheitsbehörden im Bundeskanzleramt."
Generalbundesanwalt: August Hanning und sein früherer Büroleiter festgenommen
Der frühere BND-Chef Hanning soll diese sensiblen Daten anschließend genutzt haben, um einen "anderen staatlichen Nachrichtendienst" über Jahre hinweg mit politischen Informationen zu versorgen.
In einem Fall soll Hanning auf Grundlage der erhaltenen Daten gar eine Analyse für einen Mitarbeiter eines fremden Nachrichtendiensts erstellt haben.
Welchen fremden Geheimdienst die mutmaßlichen Landesverräter mit Informationen versorgten, wurde nicht genannt.
Hanning und sein Komplize sollen noch am Dienstag beziehungsweise am Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, welcher die Haftbefehle verkünden und über den Vollzug der U-Haft entscheiden wird.
Dass die Machenschaften des Duos aufflogen, geht dabei auf das Ermittlungsverfahren gegen Christina Block (53) zurück. Im Zuge dessen hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg im vergangenen September auch eine Durchsuchung bei Hanning durchgeführt.
Erstmeldung vom 6. Oktober, 10.34 Uhr. Zuletzt aktualisiert um 11.09 Uhr.