Von André Ballin, Helena Dolderer
Rostock - Der Richter hat im Prozess zum Tod des achtjährigen Fabians (†8) aus Güstrow die Angeklagte vor dem Landgericht Rostock mit widersprüchlichen Aussagen zu ihren Sprachnachrichten an Bekannte und ihrer Internetsuche konfrontiert.
So habe sie einem Bekannten am Tag des Verschwindens von Fabian auf das Band gesprochen, der Junge sei wegen Bauchschmerzen zu Hause geblieben. Woher habe sie zu der Zeit schon davon gewusst, wollte Richter Holger Schütt wissen. "Das wirkt auffällig", sagte er.
Die Angeklagte gab zunächst an, vom Kindesvater davon in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Schütt wies die Aussage als unglaubwürdig zurück. Die Angeklagte habe erst später mit dem Kindesvater telefoniert.
Daraufhin änderte sie während der Verhandlung ihre Aussage und behauptete, im Internet davon erfahren zu haben.
Auch eine Internetsuche der Angeklagten kurz nach der Tat dazu, ob Wildschweine tote Menschen fressen, machte den Richter misstrauisch. Wozu habe sie das wissen wollen, fragte er.
Genaue Erklärungen dazu konnte sie nicht abgeben.
Widersprüchliche Aussagen zum Tag der Tat
Zudem gab die 30-Jährige an, sie habe sich am Nachmittag des 10. Oktober 2025 mit einem Freund am See in dem Waldstück getroffen, in dessen Nähe der Leichnam des Kindes aus Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern gefunden wurde.
Am Vormittag sei sie aus dem Pferdestall nach Güstrow gefahren, weil ihre Großeltern sie in die Kleinstadt geschickt hätten, um Geld für sie von der Bank abzuholen.
Dort angekommen habe sie aber bemerkt, dass sie ihr Portemonnaie in der Sattelkammer habe liegen lassen, so erzählte sie. Sie sei aufgewühlt gewesen und habe mit ihrem Hund in den Wald fahren wollen. Dort traf sie demnach auf den Freund.
Vom See aus sei sie am Nachmittag zum Hort gefahren, um dort ihren Sohn abzuholen und im Anschluss mit ihm einkaufen zu gehen. Einen Zwischenstopp habe sie nicht gemacht - auch nicht bei sich daheim, sagte sie auf mehrfache Nachfrage.
Als Richter Holger Schütt die 30-Jährige darauf hinwies, dass sie an der Kasse im Supermarkt ja den Geldbeutel wieder bei sich gehabt habe, räumte sie ein, dass sie das Portemonnaie wohl doch bei einem Zwischenstopp zu Hause abgeholt habe.
Sie erklärte, sich nicht an jedes Detail sofort erinnern zu können.
Prozess zum Mordfall Fabian (†8): Großes öffentliches Interesse
Laut Anklage soll die Frau den Achtjährigen im Oktober aus seiner Wohnung in Güstrow gelockt und dann an einem Teich bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich der Kleinstadt, erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt haben.
Das Motiv soll mit dem Verhältnis der Angeklagten zu Fabians Vater und dem zeitweisen Ende dieser Beziehung zusammenhängen. Die Angeklagte streitet eine Beteiligung an der Tat ab.
Das öffentliche Interesse an dem Prozess ist riesig. Vor dem Landgericht in Rostock warteten die Menschen in einer langen Schlange, um der Verhandlung beizuwohnen.
Die ersten Zuschauer haben sich demnach schon kurz nach 2 Uhr in der Nacht angestellt.
Erstmeldung um 11.25 Uhr, aktualisiert um 17.55 Uhr.