"Es ist ziemlich verstörend": Stalker Patrick S. (35) wegen Mordes an Sophie N. (†23) verurteilt

Dessau/Hannover - Verliebtheit ist nicht immer gegenseitig und kann in Hass umschlagen: Ein 35-Jähriger quält eine junge Frau erst mit Stalking-Angriffen, schließlich dringt er in ihre Wohnung in Hannover ein - und ersticht sie. Nach dem gewaltsamen Tod von Sophie N. (†23) in Hannover ist Patrick S. zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe wegen Mordes verurteilt worden.

Patrick S. (35) aus Dessau ist zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes verurteilt worden.
Patrick S. (35) aus Dessau ist zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes verurteilt worden.  © Ole Spata/dpa

Außerdem werde die besondere Schwere der Schuld festgestellt, sagte Stefan Joseph, Vorsitzender Richter des Schwurgerichts Hannover, am Donnerstag.

"Es ist ziemlich verstörend", sagte der Richter zu der Tat - und zum Verhalten des Mannes gegenüber Frauen.

Der 35-Jährige aus Dessau in Sachsen-Anhalt war nach Überzeugung des Gerichts im Januar 2020 in die Wohnung der 23-Jährigen eingedrungen.

In ihrem Badezimmer erstach er sie mit einem Klappmesser, dabei wurde die Halsschlagader durchtrennt. Außerdem schlug er sie.

Das Urteil entsprach weitgehend der Forderung der Anklage: Staatsanwältin Wiebke Gratz und Nebenklagevertreter Marco Bennewitz hatten lebenslange Haft wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen gefordert, die besondere Schwere der Schuld sollte festgestellt werden.

Die Verteidigung sprach sich für neun Jahre Gefängnis wegen Totschlags aus.

Seit Juli 2020 wurde der Prozess vor dem Landgericht Hannover verhandelt.
Seit Juli 2020 wurde der Prozess vor dem Landgericht Hannover verhandelt.  © Ole Spata/dpa

Jahrelange Stalking-Angriffe

Sophie N. (†23) ist im Januar 2020 in ihrer Wohnung erstochen worden.
Sophie N. (†23) ist im Januar 2020 in ihrer Wohnung erstochen worden.  © Julian Stratenschulte/dpa

Die Tat habe sich anhand der Beweise rekonstruieren lassen, auch wenn der 35-Jährige in der Verhandlung geschwiegen und nur mit dem Sachverständigen gesprochen habe, sagte Gratz in ihrem Plädoyer.

Einen Tag nach dem Verbrechen hatte er sich allerdings in Dessau der Polizei gestellt - und gestanden.

Besessen war der Dessauer von der 23-Jährigen, davon, an ihrem Leben teilzuhaben, wie sein Verteidiger Sven Tamoschus in seinem Plädoyer sagte. Aber: Er habe sie nicht töten wollen, betonte die Verteidigung.

Die beiden Deutschen hatten sich im Juli 2017 kennengelernt - das Opfer wollte aber keine Beziehung. Der 35-Jährige fühlte sich zurückgewiesen.

Ab Dezember 2017 kam es zu Stalking-Angriffen, Patrick S. soll begonnen haben, Sophie N. in sozialen Netzwerken, aber auch telefonisch und persönlich zu belästigen und ihr nachzustellen.

Auf Snapchat und Instagram legte er mindestens 50 Profile der jungen Frau mit freizügigen Bildern an. Außerdem beobachtet er die 23-Jährige, observierte sie geradezu mit einem GPS-Tracker am Auto der Mutter in Dessau.

Titelfoto: Ole Spata/dpa

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