Obdachloser stirbt nach Schlägen und Tritten: Prozess-Beginn in Hanau
Von Julius Echter
Hanau - Ein 58-jähriger Mann fiel erst ins Koma und starb drei Monate später: Vor dem Landgericht Hanau hat am Mittwoch der Prozess gegen einen 51-jährigen Mann begonnen, der den Obdachlosen in der Hanauer Innenstadt mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf misshandelt haben soll. Die Anklage lautet auf Totschlag sowie Misshandlung und gefährliche Körperverletzung.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem ukrainischen Staatsbürger vor, im Mai 2025 den Obdachlosen, der ihn um eine Zigarette gebeten habe, so heftig getreten und geschlagen zu haben, dass dieser schließlich ins Wachkoma fiel.
Der 58-Jährige starb drei Monate später, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Der Angeklagte habe den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen.
In einer Erklärung, die sein Verteidiger verlas, räumte der Angeklagte die Tat vor Gericht ein und gab an, an diesem Abend viel getrunken zu haben, weil er kurz zuvor erfahren habe, dass ein Jugendfreund im Krieg in der Ukraine gefallen sei.
Der Obdachlose sei ihn aggressiv angegangen, er habe die Nerven verloren. Der 51-Jährige bedauerte die Tat und bat um Entschuldigung.
Wie zum Auftakt des Prozesses bekannt wurde, hatte die Polizei, die monatelang nach dem Verdächtigen gesucht hatte, auch verdeckte Ermittler eingesetzt. Zwei von ihnen sollen nun als Zeugen aussagen. Zur Aufklärung des Falls hat die Schwurgerichtskammer bereits mehrere Verhandlungstage bis Mitte Dezember anberaumt.
Titelfoto: Paul Zinken/dpa
