Delitzsch - Neun Jahre lang wurde in der Breiten Straße in Delitzsch eine zur Bücherbox umfunktionierte Telefonzelle betrieben und von den Anwohnern gehegt und gepflegt. Nun fand die sogenannte "Bücherzelle" ein brutales Ende: Am frühen Donnerstagmorgen zündeten Unbekannte einen Sprengsatz in dem Häuschen und zerstörten dieses vollständig. Die Stadt Delitzsch äußerte sich entsetzt.
"Dieser Anschlag macht uns fassungslos. Dass eine solche Einrichtung zerstört und damit auch der ehrenamtliche Einsatz der Menschen dahinter missachtet wird, ist nicht nachvollziehbar", erklärte die Stadt in einem Statement, das sie auf ihrer Website veröffentlichte.
Auch die Gefahr für Unbeteiligte kritisierte die Stadtverwaltung: "In Kauf zu nehmen, die Gesundheit von Menschen zu schädigen, ist höchst unsozial und wird nicht akzeptiert."
Die "Bücherzelle" wurde am frühen Donnerstagmorgen, gegen 4.35 Uhr, durch einen bislang unbekannten pyrotechnischen Gegenstand zerstört, wie die Polizei mitteilte. Bilder vom Ort des Geschehens zeigen, dass von dem Häuschen in der Breiten Straße nur noch Einzelteile übrig blieben.
Damit jedoch nicht genug, denn die Wucht der Explosion war so stark, dass auch ein in der Nähe der einstigen Telefonzelle abgestellter Renault sowie die Fassade eines Wohnhauses beschädigt wurden.
"Die Höhe des Sachschadens ist noch unbekannt. Verletzt wurde niemand", erklärte Polizeisprecher Paul Engelmann.
Attacke auf "Bücherzelle" reiht sich in Serie von Straftaten
Die Kriminalpolizei habe bereits Ermittlungen aufgenommen, so der Polizeisprecher weiter. Bereits am Morgen wurde der Tatort untersucht und Spuren gesichert.
Die "Bücherzelle" wurde laut der Stadt Delitzsch vor neun Jahren privat von zwei Familien ins Leben gerufen und seit Errichtung im Herbst 2017 durch ein Mitglied der Familien betreut. "Regelmäßig hat sie Ordnung und Sauberkeit geschaffen und somit viele ehrenamtliche Stunden im Interesse der Stadtgesellschaft geleistet", hieß es.
Die Attacke auf die "Bücherzelle" reihe sich in eine Serie von Straftaten, die die Stadt nicht hinnehmen wolle. Demnach sei bereits mehrfach der Fahrkartenautomat am Unteren Bahnhof zerstört worden.
Die Stadt bedankte sich abschließend bei den engagierten Menschen, "die mit der 'Bücherzelle' jahrelang ein tolles und viel genutztes Angebot für unsere Stadt ermöglicht haben."