Berngau - Bei der Polizei Oberpfalz und der integrierten Leitstelle gingen am Donnerstag mehrere Meldungen über schussähnliche Geräusche im Bereich Berngau ein. Wie das Polizeipräsidium später mitteilte, wurde bei einer Waffenkontrolle zwei Behördenmitarbeiter erschossen.
Die beiden Mitarbeiter des Landratsamtes Neumarkt waren nach bisherigen Erkenntnissen im Ort unterwegs, um einen Waffenbesitzer (60) zu kontrollieren.
Dabei soll der 60-Jährige das Feuer eröffnet und beide Behördenmitarbeiter getroffen haben.
Anschließend verschanzte sich der mutmaßliche Schütze in einem Wohnhaus. Die Polizei riegelte das Gebäude ab und zog Spezialkräfte hinzu. Stundenlang wurde auf den Verdächtigen eingeredet, sich zu ergeben.
Zwischenzeitlich begleiteten Beamte mehrere Bewohner aus besagtem Wohnhaus. Die Polizei forderte die Bevölkerung weiter auf, vorsorglich in ihren Häusern zu bleiben und diese nicht zu verlassen.
Das erste Todesopfer befand sich vor dem Haus. Für den 45 Jahre alten Mann kam jede Hilfe zu spät. Seine 54 Jahre alte Kollegin wurde später im Gebäude gefunden.
"Wir gehen davon aus, dass sie schon im Zuge der Schüsse unmittelbar gestorben ist", so ein Polizeisprecher. Dafür würde die Auffindesituation sprechen. Welche Waffen verwendet wurden, ist noch unklar.
Was über den Schützen bekannt ist
Bei dem Mann handelt es sich nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) um einen Jäger und Sportschützen. Nach aktuellem Ermittlungsstand war der 60-Jährige zuvor polizeilich nicht bekannt. Auch gebe es keine Hinweise auf eine wie auch immer geartete extremistische Gesinnung, sagt Herrmann. Weder der Staatsschutz noch der Verfassungsschutz hätten bislang Erkenntnisse über den Mann.
Laut Waffenregister besitzt der Deutsche als Sportschütze und Jäger legal zehn Schusswaffen. Über sein Motiv ist bislang nichts bekannt.
Thomas Meier, Bürgermeister der rund 2.600 Einwohner zählenden Gemeinde, erzählt, er kenne den mutmaßlichen Schützen vermutlich vom Sehen, habe aber keinen persönlichen Kontakt zu ihm gehabt. "Ansonsten war er meines Wissens auch nicht im Dorf integriert, nicht in Vereinen, nicht in Gruppierungen, war, glaube ich, für sich allein."
Nach Meiers Erkenntnissen ist der Mann auch nicht in einem örtlichen Schützenverein aktiv.
Polizei korrigiert Sachlage: Täter bei Einsatz doch schwer verletzt worden
Gegen 14 Uhr wurden die Einsatzkräfte am Donnerstag alarmiert. Gegen 2.20 Uhr am frühen Freitagmorgen kam es dann zu Zugriff – "unter Anwendung auch von Sprengmitteln", wie der Sprecher mitteilte.
"Dabei wurde der 60-jährige mutmaßliche Schütze durch Schüsse ins Bein leicht verletzt", hieß es anfangs. Inzwischen wurde die Sachlage korrigiert: Der Mann gilt als schwer verletzt, wie es am Freitagvormittag hieß.
Der Verdächtige wurde zunächst medizinisch versorgt, ehe er später zum Vorfall und vor allem zu seinem Motiv befragt werden soll. Wann er dazu in der Lage ist, sei noch unklar.
Bis zu seiner Festnahme gab es dazu noch keine Hintergründe. Die beiden Beamten sollten den Mann routinemäßig kontrollieren. Unter anderem, ob seine zehn legal besessenen Waffen korrekt gelagert seien. Einen konkreten Verdacht gegen ihn habe es laut Landratsamt nicht gegeben.
Während des Großeinsatzes soll der Verdächtige gegenüber der Polizei zugegeben haben, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Er habe zudem angekündigt, nicht widerstandslos aufzugeben.
"Nachdem der Kontakt da war, war natürlich unser Ziel grundsätzlich, eine gewaltfreie Festnahme. Das haben wir angestrebt", so Michael Zaschka, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberpfalz. Diese Bemühungen verliefen ohne Erfolg.
Erstmeldung: 8. Oktober, 15.53 Uhr. Letztes Update, 9. Oktober, 14.20 Uhr.