"Verballermannisierung": Friedenspreisträger kritisiert Wahlheimat Köln

Von Christoph Driessen

Köln - Der Schriftsteller Navid Kermani (58) kritisiert eine "Verballermannisierung" seiner Wahlheimat Köln. "Viele Jahre lang war es erklärte Politik der Stadtspitze, Köln nicht als Kulturstadt in Szene zu setzen, sondern als Eventstadt", sagte Kermani der Deutschen Presse-Agentur. "Die Stadt wurde so zur deutschen Party-Metropole." 

Schriftsteller Navid Kermani (58) hat seiner Wahlheimat Köln ein Buch gewidmet.  © Oliver Berg/dpa

Die Auswüchse dieser Entwicklung würden in den Massenbesäufnissen zu Karneval besonders offensichtlich. "Es ist eine Kultur der Hemmungslosigkeit, die sich über den Karneval hinaus ausgebreitet hat." 

Der Friedenspreisträger Kermani hat seiner Wahlheimat jetzt erstmals ein Buch gewidmet: "Köln. E Jeföhl", erschienen im C.H. Beck-Verlag. 

Als er in den 80er-Jahren zum Studium nach Köln gekommen sei, habe die Stadt international als Kunst- und Kulturmetropole ausgestrahlt, erinnert er sich.

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"Damals sind wahnsinnig viele Leute wegen der Kultur nach Köln gezogen. Köln war die In-Stadt für Kunst- und Kulturschaffende, für bildende Künstler, Musiker." Diesen überragenden Status habe die Stadt schon lange eingebüßt.

Zum Teil habe das einfach damit zu tun, dass nach dem Mauerfall Berlin die Rolle der großen Kulturmetropole übernommen habe, aber zum Teil sei der Niedergang auch hausgemacht. 

"Denken wir nur an den Einsturz des Stadtarchivs und die Endlos-Sanierung von Oper und Schauspielhaus - so etwas passiert ja nicht im luftleeren Raum, das ist auch das Ergebnis einer langen Vernachlässigung und bindet unglaublich viel Geld, das dann an anderer Stelle fehlt."

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Kultur spielt bei Kommunalwahlkampf keine Rolle

Der Friedenspreisträger sieht den Einsturz des Stadtarchivs als Beispiel für die Vernachlässigung der Kultur. (Archivfoto)  © picture-alliance/dpa

In den vergangenen Kommunal-Wahlkämpfen habe Kultur überhaupt keine Rolle mehr gespielt.

"Das ist für eine Stadt wie Köln, die sich ja gleichsam über Kunst und Kultur definiert, die über so großartige Baudenkmäler verfügt und über eine so reiche kulturelle Infrastruktur, schon ein Armutszeugnis."

Zumal sich die große Begeisterungsfähigkeit der Menschen für kulturelle Angebote erhalten habe.

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Das Thema, das den Wahlkampf des vergangenen Jahrs beherrschte, war die Vernachlässigung des öffentlichen Raums.

Auch hier sei die Stadtverwaltung in der Verantwortung, weil sie ein schlechtes Vorbild abgebe, sagte Kermani. So drohe der Bastei, einem Aussichtsrestaurant im expressionistischen Stil von 1924, der Abriss, weil es komplett baufällig sei. 

"Für mich und viele andere ist das eines der schönsten Gebäude der Stadt. Und solche Fälle von absoluter Lieblosigkeit sind natürlich nicht dazu geeignet, die Einwohner dazu anzuhalten, selbst mehr acht auf ihre Umgebung zu geben."

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