Er will das Rathaus schneller machen: OB-Bewerber Falk Fiebig setzt auf Leipzigs Jugend und Europa

Von Andreas Tappert

Leipzig - Falk Fiebig (51, Volt) ist das, was man bodenständig nennt. Der gebürtige Oschatzer hat im Kraftwerk Lippendorf Energieelektriker gelernt und ist seit rund 20 Jahren Unternehmer. Heute führt er mehrere Unternehmen mit insgesamt rund 40 Beschäftigten.

Falk Fiebig (51) möchte für die Europapartei Volt ins Rennen um Leipzigs Oberbürgermeisteramt gehen.  © EHL Media/Erik-Holm Langhof

"Unsere Patchworkfamilie mit fünf Kindern bringt ganz unterschiedliche Lebensrealitäten zusammen - darunter Behinderung, Migrationsgeschichte und queere Identität", erzählt er.

"Ich erlebe unmittelbar, mit welchen Herausforderungen Menschen in Schulen, Behörden und im Gesundheitswesen konfrontiert werden."

Deshalb ist er mit seiner Frau auch zur Europapartei Volt gestoßen. "Ich habe in meinem Leben viel erreicht", sagt Fiebig. "Aber was ist das alles wert, wenn unsere Kinder nicht mehr die gleichen Chancen und Perspektiven haben wie wir? Ich will nicht tatenlos zusehen, wie die nächste Generation ihre Zukunftsperspektiven verliert. Genau deshalb engagiere ich mich politisch."

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Studien würden zeigen, dass bestimmte psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent zugenommen haben, in einzelnen Altersgruppen sogar deutlich stärker.

"Einsamkeit, fehlende Perspektiven und die Auswirkungen sozialer Medien können dabei eine wichtige Rolle spielen", ist Fiebig sicher. "Einsamkeit betrifft Menschen aller Generationen, aber gerade bei jungen Menschen müssen wir aufpassen, dass wir nicht eine ganze Generation verlieren."

Als Leipzigs OB will er deshalb "dritte Orte" schaffen, wo junge Leute umsonst zusammenkommen können - Sportplätze, Parks, Brachflächen für eigene Veranstaltungen.

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Hat Leipzig sich beim Eutritzscher Freiladebahnhof über den Tisch ziehen lassen?

Der Eutritzscher Freiladebahnhof: Fiebig versteht nicht, warum die Stadt die Brachfläche verkauft hat. Seiner Meinung nach hätte sie viele Möglichkeiten geboten.  © Jan Woitas/dpa

Als Beispiel nennt er den Eutritzscher Freiladebahnhof: "Ich verstehe nicht, wie sich Leipzig diese Fläche von Wohnungsbau-Investoren aus der Hand nehmen lassen konnte, ohne ausreichende Investitionsverpflichtung oder eine Zwischennutzung für Jugendliche", meint er.

Für ihn fühle es sich so an, als hätte sich die Stadtverwaltung bei diesem für Leipzig so wichtigen Projekt über den Tisch ziehen lassen. "Jetzt sind die Flächen so teuer, dass dort nur noch hochpreisig vermietet werden kann."

Enteignungen wie in Berlin lehnt er ab, will aber Spekulationen und Leerstand stärker bekämpfen.

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Damit mehr gebaut wird, müsse das Bauamt flexibler werden und nicht von jedem Bauherren "immer wieder die gleichen teuren Lösungen" fordern, sagt der Textilunternehmer, der seit 20 Jahren in Engelsdorf lebt.

"Warum muss ich beim Ausbau einer Wäscherei dasselbe beachten wie beim Bau einer Autofabrik? Wir brauchen individuelle Lösungen und schnelle Verfahren." Für Firmen schlägt er im Rathaus einen "Online-Campus" vor, für ausländische Fachkräfte einen "Willkommens-Desk".

Im Rathaus will Fiebig mehr Freiräume schaffen. "Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen", glaubt er. "Sie brauchen mehr Rückenstärkung." Er nennt das Selbstwirksamkeit.

Fiebig pro Rüstungsunternehmen in Leipzig

Im Gegensatz zu vielen anderen Leipzigern spricht sich der Bewerber für die Ansiedlung von Rüstungsunternehmen aus. Zumindest, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.  © Hendrik Schmidt/dpa

Dazu plant er ein "Zukunftsdezernat", das den "aufgeblasenen Verwaltungsapparat" von unnötiger Bürokratie befreit, Prozesse digitalisiert und den Beschäftigten mehr Eigenverantwortung ermöglicht - mit Blick nach Kopenhagen und Estland.

Vorbilder sind die Fahrradstadt Kopenhagen und Estland.

"Dort können Bürger vieles von der Heirat bis zur Unternehmensgründung digital erledigen." Die Europapartei Volt sei für diesen Austausch gut aufgestellt, weil sie in zahlreichen europäischen Ländern vertreten ist.

Auch die Ansiedlung von Rüstungsunternehmen befürwortet er, allerdings nur, wenn Europa davon profitiert und damit seine Verteidigungsfähigkeit und seine technologische Unabhängigkeit stärkt.

"Wenn wir unsere Demokratie sichern und unseren Wohlstand erhalten wollen, geht das nur gemeinsam mit Europa", glaubt er. Leipzig müsse in einer ganzen Reihe von Branchen Vorreiter der europäischen Integration werden. "Wir müssen dafür aktiv Fördermittel einwerben und Modellprojekte finden."

Ob er seine Visionen verwirklichen kann, hängt auch davon ab, ob er bis zum 17. Dezember genügend Unterstützerunterschriften für seine OB-Kandidatur erhält. Seit Montag können volljährige Leipziger im Amt für Statistik und Wahlen, Thomasiusstraße 1, solche Unterschriften leisten, wenn sie sich ausweisen können.

Geöffnet ist dort montags bis mittwochs von 10 bis 16 Uhr, donnerstags von 13 bis 18 Uhr und freitags von 7 bis 13 Uhr. Dort liegen auch Listen anderer parteiloser OB-Bewerber wie Getu Abraham (59) aus.

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