Leipzigs OB-Wahl wird so spannend wie lange nicht: Hinter den Kulissen laufen schon die Planspiele für Runde zwei

Von Andreas Tappert

Leipzig - Wer am 21. Februar vorn liegt, ist offen – dass es einen zweiten Wahlgang braucht, gilt als sicher: Die Wahlstäbe aller OB-Bewerber stellen schon jetzt Planspiele dafür an. "Die Wahl wird so spannend wie schon lange nicht mehr", heißt es fast überall.

Leipzigs Oberbürgermeisterwahl am 21. Februar könnte so spannend werden wie lange nicht mehr. Im Gegensatz zu den letzten OB-Wahlen tritt diesmal kein Amtsinhaber mit einem Amtsinhaber-Bonus an.  © Helena Dolderer/dpa

Denn im Gegensatz zu den letzten OB-Wahlen tritt diesmal kein Amtsinhaber mit einem Amtsinhaber-Bonus an und gleich vier Kandidaten wird zugetraut, dass sie mit 15 bis 20 Prozent der Wählerstimmen annähernd gleiche Ergebnisse erzielen werden. Genannt werden dabei der parteilose Kandidat Dirk Thärichen (56), die Kulturbürgermeisterin der Linken, Skadi Jennicke (49), der CDU-Bewerber Michael Weickert (36) und der noch nicht nominierte AfD-Kandidat.

"Damit schafft im ersten Wahlgang sicher keiner die absolute Mehrheit", sagt ein Kenner der Leipziger Stadtpolitik. Im Klartext: Am 21. Februar wird zwar Leipzigs neuer Oberbürgermeister gewählt, aber feststehen wird er danach nicht.

Trotzdem ist Platz eins wichtig. Ist der Abstand klein, treten Verlierer wieder an. Ist er groß, werden Bündnisse geschmiedet.

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So wie bei Leipzigs letzter OB-Wahl: Die unterlegenen Grünen und Linken riefen ihre Wähler auf, den SPD-Kandidaten Burkhard Jung (68) zu unterstützen und dieser gewann denkbar knapp vor seinem damaligen Herausforderer Sebastian Gemkow (48) von der CDU.

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Ob Thärichen und Jennicke Mehrheiten mobilisieren können, ist fraglich

Linken-Kandidatin Skadi Jennicke (49) und der parteilose Dirk Thärichen (56) gelten als Favoriten im ersten Wahlgang. Aber können sie auch Mehrheiten mobilisieren, sollte eine zweite Runde nötig sein?  © Montage: David Hammersen/dpa + EHL Media/Erik-Holm Langhof

Als Favoriten für Runde eins gelten Jennicke und Thärichen, dicht gefolgt von Weickert und AfD. Jennicke werde davon profitieren, dass ihre Partei mit den 5230 eingeschriebenen Leipziger Mitgliedern wieder einen engagierten Haustürwahlkampf führt und in diesem Winterwahlkampf in Leipzig Suppenküchen aufstellen wird, um kostenloses Essen auszugeben, heißt es. Für Thärichen spreche, dass Enttäuschte der etablierten Parteien eine wählbare Alternative suchen.

Von Thärichen wird erwartet, dass er versucht, die Kandidaten von CDU, FDP und BSW zum Verzicht auf einen zweiten Wahlgang zu bewegen und ihre Wähler für ihn zu mobilisieren. Die Kulturbürgermeisterin werde das Gleiche im linken Lager versuchen, heißt es, mit den Grünen, mit der SPD und anderen Bewerbern links der Mitte eine einfache Mehrheit zu suchen, die laut sächsischem Wahlrecht im zweiten Wahlgang ausreicht.

Ob dies gelingt, ist fraglich. Viele Grünen-Wähler aus der Bürgerbewegung von 1998 wählen wohl eher gar nicht als die SED-Nachfolgepartei, heißt es. Ähnliche Reflexe werden bei den Ostdeutschen unter den SPD-Wählern erwartet.

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Auch im konservativen Lager wird kein Verzicht erwartet. Als größte Stadtratsfraktion wäre ein Verzicht Weickerts für die CDU ein Gesichtsverlust. 

Umgekehrt zieht Thärichen kaum zurück, wenn er vor der CDU liegt. Sein Klientel – die Leipziger Wirtschaft – ließe das nicht zu. Die bürgerlichen Stimmen könnten sich splitten.

Macht es doch Sebastian Gemkow?

Bei der vergangenen Wahl verlor Sebastian Gemkow (48, CDU) knapp gegen Burkhard Jung (68, SPD). Sollte es zu einem zweiten Wahlgang kommen, wird auch sein Name als möglicher Kandidat genannt.  © Robert Michael/dpa

Die Leipziger AfD profitiert vom Politikfrust vieler Leipziger, gilt in der Messestadt aber für zu viele für unwählbar. Sie selbst rechnet mit "15 bis 20 Prozent" in Runde eins. Als Bündnispartner für Runde zwei will sie sich nicht anbieten. "Wir gehen auf niemanden zu", heißt es in der Fraktion. "Wer uns will, muss kommen. Wir werden uns nicht unter Wert verkaufen."

Die AfD fordert mindestens einen Beigeordneten-Posten. "Der steht uns wegen unserer Fraktionsstärke ohnehin schon lange zu", heißt es. Dies dürfte für alle Fraktionen zu viel sein. Die Linke droht schon. "Wenn die Brandmauer fällt, kracht es", so ein Akteur hinter vorgehaltener Hand.

Deshalb wird auch über einen gemeinsamen Anti-AfD-Kandidaten der Etablierten diskutiert. Favorit dafür: Wieder Thärichen als kleinster gemeinsamer Nenner.

Oder ein ganz neuer. Das sächsische Wahlrecht erlaubt das. Genannt wird Sebastian Gemkow (48), der zuletzt knapp verlor und bislang keine Lust auf eine neue Kandidatur zeigt. Druck von Ministerpräsident Michael Kretschmer (51) und sogar von Bundeskanzler Friedrich Merz (70) sei denkbar, heißt es - die CDU winkt ab.

Also heißt Leipzigs nächster OB vielleicht doch Dirk Thärichen? Leipzigs OB-Wahl wird so spannend wie lange nicht.

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