Leipzig - Dass er kandidiert, wurde bereits vermutet, nun macht er Nägel mit Köpfen: Der parteilose Stadtrat Getu Abraham (58) steigt ins Rennen um Leipzigs Oberbürgermeisteramt ein. Der Professor für Veterinärmedizin kandidiere parteiunabhänig. "Meine Loyalität gilt keinem Parteiprogramm, sondern der Verantwortung für Leipzig", erklärte er.
"Diese Unabhängigkeit gibt mir die Freiheit, von der Sache aus zu denken und gute Ideen – meiner wissenschaftlichen Gewohnheit folgend – evidenzbasiert danach zu beurteilen, was sie für die Menschen in Leipzig bewirken können", erklärte Abraham in einer Mitteilung, die TAG24 am Montag erhielt. "Dazu gehört für mich auch, über Fraktionsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten."
Der gebürtige Äthiopier, der 1989 zum Veterinärmedizin-Studium nach Leipzig kam, will seine Kandidatur am Freitag im Leipziger Laufladen öffentlich verkünden. Dort wolle er auch sein Wahlprogramm bekannt geben.
"Leipzig ist für mich Heimat und Leidenschaft. Ich habe der Stadt und den Menschen hier unendlich viel zu verdanken", so der Vater zweier Töchter.
Seit langem sei es Abraham, der seit 2019 im Stadtrat sitzt, ein Bedürfnis, der Messestadt etwas zurückzugeben. "Deshalb habe ich mich nunmehr entschlossen, in einer schwierigen, aber ja auch sehr chancenreichen Zeit den Menschen in Leipzig ein Angebot zu unterbreiten."
Kandidatur als Reaktion auf Parteienfrust
Abraham war bis 2024 SPD-Mitglied, verließ Partei und Fraktion jedoch mit lautem Knall. Öffentlich prangerte er damals den Parteienfilz bei den Sozialdemokraten an. Nach ein paar Monaten als Einzelabgeordneter schloss sich Abraham im März 2025 als Parteiloser der CDU-Fraktion an.
Kandidieren wolle der ambitionierte Langstreckenläufer nun jedoch parteiunabhängig. Bereits seit einigen Monaten wurde vermutet, dass Abraham diesen Schritt als Reaktion auf den allgemeinen Parteienfrust gehen könnte.
"Unsere Stadt hat enorme Möglichkeiten, wenn wir wirtschaftliche Stärke, gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine Verwaltung, die für die Menschen da ist, gemeinsam weiterentwickeln", erklärte der Mediziner, der heute das Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig leitet. "Dafür möchte ich meine Erfahrung und meine ganze Kraft einsetzen."