Leipziger "Schock"-Cops setzen Betrüger-Syndikat schachmatt

Leipzig - Es ist eine kriminelle Pandemie: Jeden Tag versenden Betrüger über Messenger-Dienste in Europa Millionen Phishing-Nachrichten und bringen mit fiesen Tricks arglose Menschen um ihr Geld. Jetzt ist der im Juni 2023 von der Leipziger Kripo als Pilotprojekt gegründeten Spezialeinheit "Schock" ein spektakulärer Zugriff gelungen.

Die Anzahl der Fälle von Internet-Betrug hat erheblich zugenommen. (Symbolbild)
Die Anzahl der Fälle von Internet-Betrug hat erheblich zugenommen. (Symbolbild)  © Oliver Berg/dpa

Mitte Januar war ein Rentner (73) in Leipzig auf einen WhatsApp-Fake hereingefallen und hatte auf vermeintliches Bitten seiner Tochter Tausende Euro an bis dato unbekannte Gangster überwiesen. Der Mann ging schnell zur Polizei und die "Schock"-Fahnder erhielten so die Möglichkeit, verdeckt gegen die Betrüger zu ermitteln.

Dabei stießen sie auf ein viel größeres Rad, das die teilweise von Holland aus agierenden Kriminellen drehten - Bankbetrug mit Phishing-Links.

Dabei sollen sie bundesweit zig Tausende Bankkunden via SMS kontaktiert und aufgefordert haben, über einen Link eine "Sicherheits-App" für das Online-Banking zu aktivieren.

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Mit gefälschten Bank-Webseiten und getürkten Anrufen vermeintlicher Bankmitarbeiter sollen den Kunden dann die Konten geleert worden sein.

Allein am 6. Februar hätten die Täter innerhalb von drei Stunden 2300 SMS mit Phishing-Links versendet, berichtete eine Polizeisprecherin. Bisher verifizierter Schaden: 33.000 Euro.

Gleich viermal ließen die Leipziger "Schock"-Cops jüngst die Handschellen klicken - ihnen gingen die mutmaßlichen Köpfe des Betrüger-Syndikats in die Fänge.
Gleich viermal ließen die Leipziger "Schock"-Cops jüngst die Handschellen klicken - ihnen gingen die mutmaßlichen Köpfe des Betrüger-Syndikats in die Fänge.  © Armin Weigel/dpa

Leipziger "Schock"-Cops machen Betrüger-Bande dingfest

Leipzigs Kripo-Chef Lutz Mädler (45) gründete im Juni vergangenen Jahres die Spezialeinheit "Schock".
Leipzigs Kripo-Chef Lutz Mädler (45) gründete im Juni vergangenen Jahres die Spezialeinheit "Schock".  © Alexander Bischoff

Allerdings war das der letzte Coup der Bande. Denn am selben Tag schlugen die Leipziger "Schock"-Cops zu und ließen die mutmaßlichen Köpfe des Betrüger-Syndikats - drei Holländer (22, 24, 30) und eine Deutsche (19) - in Bremen durch örtliche Spezialkräfte verhaften.

Bei nachfolgenden Durchsuchungsmaßnahmen konnten laut Polizei zahlreiche Beweismittel sichergestellt werden, die zu weiteren Betrugshandlungen führten.

Alle Verdächtigen sitzen seither in U-Haft. Die umfangreichen Ermittlungen, über die die Behörden am heutigen Mittwoch erstmals informierten, dauern an.

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Wegen der extremen Zunahme der Betrügereien über Internet, Messenger-Dienste und Schock-Anrufe hatte Leipzigs Kripo-Chef Lutz Mädler (45) am 1. Juni vorigen Jahres die Spezialeinheit "Schock" gegründet.

Dabei handelt es sich um ein landesweites Pilotprojekt, in dem spezialisierte Ermittler und operative Auswerter auf die Jagd nach internationalen Betrügerbanden gehen, wenn diese in Sachsen tätig werden.

Titelfoto: Bildmontage: Oliver Berg/dpa, Armin Weigel/dpa

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