Emma (37) aus Sachsen bekommt heute gleich sechs Küsschen zum Muttertag

Schönwölkau - Emma hat's gut: Sie bekommt am Sonntag nicht ein, nicht zwei und auch nicht drei, sondern gleich sechs Küsschen zum Muttertag! Denn Emma Fenchel (37) aus Schönwölkau (bei Leipzig) ist Mutter von sechs Kindern. Sie kennt alles - außer Langweile!

Für die Hausaufgaben haben sich die Kinder der Fenchels am Familien-Laptop und drei Smartphones abgewechselt: Hannah (12), Markus (4), Mama Emma (37), Kemba (10), Lily (8) und Matteo (6, v.l.n.r.) beim Homeschooling am Tisch. Hinter allen liegen turbulente Tage.
Für die Hausaufgaben haben sich die Kinder der Fenchels am Familien-Laptop und drei Smartphones abgewechselt: Hannah (12), Markus (4), Mama Emma (37), Kemba (10), Lily (8) und Matteo (6, v.l.n.r.) beim Homeschooling am Tisch. Hinter allen liegen turbulente Tage.  © Ralf Seegers

Heute dürfen die Fenchels erstmals wieder zum Gottesdienst fahren. Die Kleinen haben Muttertagsgeschenke gebastelt - in der Leipzig English Church. Denn Emma ist gebürtige Kanadierin, wurde in Montreal geboren und wuchs in Toronto auf. "Ich habe meinen Mann beim Studium in Erlangen kennengelernt", sagt sie. 

2004 zogen beide nach Sachsen, weil Stefan einen Job bei BMW in Leipzig fand.

Aus den zwei Verliebten ist längst eine achtköpfige Familie geworden, die jetzt acht Wochen lang eng zusammen die Entbehrungen der Corona-Krise durchgestanden hat. 

Das heimische Trampolin musste dabei ausgiebige Klettertouren auf dem gesperrten Dorfspielplatz ersetzen, Videokonferenzen die Treffen mit Freunden. Auch der Besuch im Leipziger Zoo und das Toben auf dem geliebten Bärenburg-Spielplatz dort waren plötzlich tabu.

Vier der acht Fenchels wurden positiv auf Corona getestet

"In der Krise haben wir gemerkt, woran man wirklich hängt und gelernt, Dinge mehr zu schätzen": Mama und Kemba (10) genießen das Frühstück.
"In der Krise haben wir gemerkt, woran man wirklich hängt und gelernt, Dinge mehr zu schätzen": Mama und Kemba (10) genießen das Frühstück.  © Ralf Seegers

Und dann kam auch noch die Corona-Infektion dazu. Die Eltern und zwei Kinder wurden positiv getestet. 

"Bei uns Erwachsenen begann es mit den typischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Geschmacksverlust und drei Wochen Abgeschlagenheit", erzählt Stefan (51). "Am Ende hatte sich wohl die ganze Familie angesteckt. Doch nur zwei Kinder hatten einen Tag lang über 39 Grad Fieber."

Am 26. März musste die Familie in Corona-Quarantäne gehen. "Eine liebe Nachbarin stellte uns die Einkäufe vor die Tür." Bei einer achtköpfigen Familie sind das nicht nur zwei Tütchen! Und manchmal war es schwierig, als Klopapier rationiert oder Milch auf drei Liter pro Kunde limitiert waren.

In Corona-Zeiten fand der Schulunterricht - so wie in Tausenden anderen sächsischen Familien auch - zu Hause statt. "Ich wollte schon immer Homeschooling machen, wie es auch in Kanada möglich ist", sagt Emma. "Als ich mich damit abgefunden hatte, dass es hier verboten ist, wurde es jetzt für alle verpflichtend." 

Gleich nach dem Aufstehen um 6 Uhr und dem gemeinsamen Frühstück standen die Hausaufgaben auf dem Tagesplan. "Dabei habe ich sogar etwas von den Kindern gelernt - zum Beispiel eine einfache Methode zum Dividieren", sagt Emma, die übrigens Mathematik studierte.

"Irgendwie fehlt uns die Schule langsam"

"An einer Aufgabe haben wir mal eine Stunde lang gesessen, bis Google die Lösung wusste": Die studierte Mathematikerin übt mit Lily (8).
"An einer Aufgabe haben wir mal eine Stunde lang gesessen, bis Google die Lösung wusste": Die studierte Mathematikerin übt mit Lily (8).  © Ralf Seegers

Nachmittags haben Hannah (12), Kemba (10) und Lily (8) Klavier geübt, während ihre Brüder Matteo (6) und Markus (4) spielten und der anderthalbjährige Lucas manchmal noch gestillt wurde. 

"Irgendwie fehlt uns die Schule langsam", wundert sich Hannah (12), dass sie das einmal so sagen würde! "Wir haben deshalb oft Schule gespielt. Kemba war dabei meist die Lehrerin."

Das Mittagessen um 12 hatte meist Papa Stefan - derzeit im Home Office - zubereitet. "Es gab unsere Lieblingsspeisen Pizza, Lasagne, Chili con Carne oder Maultaschen", erzählt Lily. "Und wir haben viele Kuchen und Muffins gebacken", ergänzt Hannah. Vielleicht kommen auch bald rostgelbe Pommes auf den Tisch, denn Stefan schenkt seiner Emma heute eine Heißluftfritteuse. "Die hat sie sich so gewünscht."

Emmas Stiefmutti erfüllt mit über 6 500 Kilometern Abstand derzeit die wohl die strengste Abstandsregel: Sie wohnt in Montreal. "Ich rufe sie traditionell am Muttertag an." Wenn Emmas Eltern zu Weihnachten nach Sachsen kommen, beschenkt die Mutti aus Übersee die Tochter. "Ich freue mich schon auf die Ration Ahornsirup aus der alten Heimat."

"Je mehr Kinder wir hatten, desto weniger Spielsachen brauchten wir": Zum Glück konnte die kinderreiche Familie in der Quarantäne im Garten auf dem Tramplin toben.
"Je mehr Kinder wir hatten, desto weniger Spielsachen brauchten wir": Zum Glück konnte die kinderreiche Familie in der Quarantäne im Garten auf dem Tramplin toben.  © Ralf Seegers
"Wir haben viel online bestellt": Aus den Versandkartons haben die Kinder Papptafeln mit Buchstaben gebastelt. Papa Stefan (51) hat Lucas (1,5) im Arm.
"Wir haben viel online bestellt": Aus den Versandkartons haben die Kinder Papptafeln mit Buchstaben gebastelt. Papa Stefan (51) hat Lucas (1,5) im Arm.  © Ralf Seegers
"Klar gab's auch mal Streit, aber wir sind alle besser miteinander ausgekommen": Mama mit Matteo (6) beim Malen.
"Klar gab's auch mal Streit, aber wir sind alle besser miteinander ausgekommen": Mama mit Matteo (6) beim Malen.  © Ralf Seegers

Sind die sechsfachen Muttertagsküsschen für Mama Emma vorbei, geht's ins Bettchen. "Halb 6 gibt's Abendessen. Allerspätestens um halb 9 geht das Licht in den beiden Schlafzimmern der Mädchen und Jungen aus", sagt Stefan und kann dann die einzig entspannte Zeit des Tages mit seiner Frau genießen.

"Noch haben wir gerade eine kleine Volleyballmannschaft, aber wenn es später mal eine Fußballmannschaft wird - Kinder sind für uns ein Geschenk Gottes."

Titelfoto: Ralf Seegers

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