370 Kilometer Fahrt: Warum braucht Leipzig einen Weihnachtsbaum aus dem Westen?

Leipzig - Diese Geschichte fällt definitiv in die Rubrik "Unglaublich, aber wahr": Der Weihnachtsbaum für den Leipziger Marktplatz kommt dieses Jahr nicht aus der unmittelbaren Umgebung und noch nicht einmal aus Sachsen. Der Baum wird aus Nordrhein-Westfalen angeliefert. Hinter der komisch anmutenden Aktion stecken knallharte finanzielle Interessen.

Rund 18,5 Meter hoch ist der diesjährige Leipziger Weihnachtsbaum. Genau kann man das erst sagen, wenn der Baum gefällt wurde.  © Frans Grummer/PR

Die Häuser in Ramsbeck sind weiß, die Dächer schiefergedeckt und grau. Das Blei- und Zinkerzbergwerk ist seit den 70ern dicht. Bis nach Niedereimer, dem Wohnort des Bundeskanzlers ist es nur knapp eine halbe Stunde. Deutlich weiter ist es nach Leipzig.

Rund 370 Kilometer trennen Ramsbeck im Hochsauerland und die Messestadt in Sachsen oder gut vier Stunden dreißig mit dem Auto. Sagt Maps.

Trotz der Distanz kommt der Leipziger Weihnachtsbaum in diesem Jahr nicht von irgendwo, sondern genau von dort. Und zwar aus gutem Grund. Der wiederum hat einen Preis, der grob im mittleren fünfstelligen Bereich liegt. Genaueres behält Walter Ebert für sich.

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Der 66-Jährige ist Marktleiter bei der Stadt Leipzig und für die Beschaffung und Aufstellung des Weihnachtsbaums zuständig. "Wir haben jahrelang ausgeschrieben, wer in der Region einen passenden Baum hat und ihn loswerden will - wir nehmen ihn gern", erzählt Ebert.

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Ramsbeck liegt im Sauerland, eine Montanregion wie das Erzgebirge. Hier steht die Nordmanntanne - noch.  © IMAGO/Hans Blossey

Nächste Woche macht sich Nordmanntanne auf den Weg nach Leipzig

Der Leipziger Weihnachtsmarkt kann sich sehen lassen. Hier ein Bild von vor vier Jahren.  © picture alliance/dpa

Bloß geklappt hat das nicht. Entweder die Bäume waren zu klein, die Äste zu lang und damit zu brüchig oder der Baum, dessen Transport Kran und Tieflader erfordern, war nicht entsprechend zugänglich.

Also, Ausschreibung: Das einzige Angebot kam - alle Jahre wieder - aus dem Vogtland, so Ebert. "Aber in diesem Jahr kam ein zweites und zwar vom Forstspezialisten Frans Grummer (57) aus dem Sauerland." Und das war preiswerter.

Grummer lebt mit seiner Frau auf dem Hof Henders, der wie Niedereimer ebenfalls eine halbe Stunde von Ramsbeck entfernt liegt.

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Seit 26 Jahren macht der Unternehmer in Weihnachtsbäumen. Der größte bisher ging mit 28 Metern vor einigen Jahren nach Düsseldorf. "Aber da bin ich auch in die Knie gegangen", sagt er am Telefon und lacht. Etwas kleinere Bäume liefert Grummer dieses Jahr sogar bis nach München.

Marktleiter Walter Ebert (66) hatte schon die Idee auf dem Tisch, dass Leipzig und die Partnerstadt Frankfurt am Main einfach die Weihnachtsbäume tauschen. Sie wurde wieder verworfen.  © Philipp Kirschner/PR

Nächste Woche Mittwoch soll die rund 18,50 Meter hohe und etwa 35 Jahre alte Nordmanntanne aus dem Sauerland auf dem Leipziger Marktplatz mit jeweils 300 roten und goldenen Kugeln und rund 3000 Lichtern geschmückt werden. Am Samstag wird sie gefällt, am Montag muss sie angeliefert werden. "Jaja", sagt Grummer wie nebenbei, "ich fahre selbst." Na dann: Gute Fahrt!

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