Nächste Raketen-Firma in Leipzig: Schülke interessiert "Chancen zu nutzen"
Leipzig - Wird die Messestadt nun das neue Mekka für Start-Ups der Rüstungsindustrie? Nach der Covenant-Ansiedlung wurde nun bekannt, dass das Düsseldorfer Unternehmen Falk Defence, das ebenfalls Raketensysteme entwickelt, bereits im Frühjahr ein Büro in Leipzig eröffnet hat. Bei ihrer Versammlung am Mittwoch forderten die Stadträte Antworten.
Tatsächlich seien Covenant und Falk Defence nicht die einzigen Unternehmen, die die Messestadt derzeit beschäftigen, wie Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (51, CDU) erklärte. 17 Anfragen stünden derzeit auf einer Liste.
"Abgeschlossen ist eines, Covenant. Aktiv sind weitere fünf Fälle", so Schülke. "On Hold vonseiten der Unternehmen sind drei, vielleicht sogar vier. Eines hat wahrscheinlich abgebrochen. Sieben haben wir tatsächlich zurückgewiesen, da haben wir kein Angebot abgegeben, vor allem deswegen, weil dort mit Sprengstoffen gearbeitet werden sollte."
Zwölf der Anfragen würden aus dem Verteidigungssektor im engeren Sinne stammen. "Fünf sind eher so im Dual-Use-Bereich. Daraus ergeben sich Chancen, allein aus den aktiven Fällen, fast 700 Arbeitsplätze in Leipzig und um Leipzig herum zu schaffen", betonte der Wirtschaftsbürgermeister.
Pläne, in Leipzig ein Rüstungscluster aufzubauen, verfolge die Verwaltung nicht. Die Stadt beantworte jedoch Anfragen aus dem Verteidigungsbereich ebenso wie aus anderen Branchen. "Sie wissen das, Verteidigungswirtschaft ist eine von den wenigen Industrien, die überhaupt aktuell Industrieflächen nachfragt. Wir sind daran interessiert, die sich daraus ergebenden Chancen in einer sonst schwierigen Wirtschaftslage zu nutzen."
Falk Defence sucht bereits weiteren Standort im Raum Leipzig
Auf eine Nachfrage des BSW, Entscheidungen zu Rüstungsunternehmen auf nach der OB-Wahl zu verschieben, betonte auch Oberbürgermeister Burkhard Jung (68, SPD), dass einige Anfragen nicht zustande gekommen seien, "weil ich ganz klar festgelegt habe: Überall dort, wo eine Gefahr für die Bevölkerung aufgrund von Sprengstoff oder auch biochemischen Vorgängen besteht, bewerben wir uns nicht, schon gar nicht mit kommunalen Grundstücken."
Der Stadtrat könne darüber hinaus festlegen, dass kommunale Grundstücke nicht zur Verfügung gestellt werden, Leipzig keine Clusterung anstrebe und auch nicht offensiv in die Bewerbung gehe. "Das können Sie machen", so Jung.
Leipzig brauche eine klare Position. Gleichzeitig müsse bei Anfragen von Fall zu Fall entschieden werden.
Mit dem Düsseldorfer Unternehmen Falk Defence habe es bereits im November vergangenen Jahres Kontakt gegeben. Das Unternehmen baut an einem Artillerieraketensystem namens "Siegfried SF1-100" mit einer Reichweite von 100 Kilometern. Das System soll in Europa für Europa produziert werden, um unabhängig von außereuropäischen Lieferanten zu werden.
In Leipzig sollen zehn Mitarbeiter derzeit dabei sein, einen Prototyp zu entwickeln. Inzwischen soll Falk Defence auch einen Produktionsstandort in Leipzig suchen. Dazu habe die Investregion Leipzig (IRL) Standorte vorgeschlagen. "Private Hallen, keine öffentlichen, keine kommunalen Einrichtungen. Nach unserer Kenntnis liegt da bisher keine Entscheidung vor", so Schülke.
Titelfoto: Montage: Jan Kaefer + Hendrik Schmidt/dpa

