Zyklus-App für die fruchtbare Zeit: Leipziger Professor kämpft gegen Sachsens Baby-Flaute

Leipzig - Nur noch 32.548 Kinder wurden 2021 in Sachsen geboren. Das vierte Jahr in Folge ein Rückgang! Auch dieses Jahr zeigt die Kurve nach unten. "Wir sind ein Land der Sexmuffel", sagt der Leipziger Reproduktionsmediziner Henry Alexander (76). Mit einem patentierten Helferlein versucht der pensionierte Gynäkologie-Professor, die "Trefferquote" von Paaren zu erhöhen.

Eine Frau in freudiger Erwartung. Zwei- bis dreimal Sex pro Woche empfiehlt der Experte, damit der Erfolg eintritt.
Eine Frau in freudiger Erwartung. Zwei- bis dreimal Sex pro Woche empfiehlt der Experte, damit der Erfolg eintritt.  © imago/Westend61

Während Sex in den Medien omnipräsent ist, zeigt sich der Alltag in hiesigen Schlafstuben eher ernüchternd. Frisch Verliebte kämen kaum aus dem Bett heraus.

"Aber wenn der Alltag einzieht, zieht die Lust aus", beschreibt es Professor Alexander höflich. Und da liegt das Problem: Die meisten Paare würden heute schon jahrelang zusammenleben, ehe sie sich für Kinder entscheiden, so der Experte.

Und dann wird die vermeintlich schönste Sache der Welt plötzlich zur kalkulierten Pflichtaufgabe - Sex zum Eisprungtermin. "Da kommt doppelt Stress auf", so Alexander.

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Die Chance, ein Kind zu zeugen, sei generell gering.

"Selbst wenn eine Frau während des Zyklus zwei- bis dreimal die Woche Sex hat, liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft bei nur rund 20 bis 30 Prozent", weiß der Reproduktionsmediziner.

1984 gründete er an der Leipziger Unifrauenklinik das "Kinderwunschzentrum" und half bis zu seiner Pensionierung 2012 zigtausenden Kindern auf die Welt.

Hat den Zyklus-Tracker entwickelt und patentieren lassen: Leipzigs "Babymacher" Prof. Henry Alexander (76).
Hat den Zyklus-Tracker entwickelt und patentieren lassen: Leipzigs "Babymacher" Prof. Henry Alexander (76).  © TEAM CODE ZERO

Keine Schwangerschaft nach einem Jahr: Paare sollten Arzt aufsuchen

Links der Vaginalring mit Biosensor, rechts die Handy-App - alle fünf Minuten wird die Temperatur der Frau gemessen und als Diagramm dargestellt. Steigt die Kurve beständig an, steigt auch die Fruchtbarkeit.
Links der Vaginalring mit Biosensor, rechts die Handy-App - alle fünf Minuten wird die Temperatur der Frau gemessen und als Diagramm dargestellt. Steigt die Kurve beständig an, steigt auch die Fruchtbarkeit.  © TEAM CODE ZERO

Auch im Ruhestand versucht der "Babymacher" zu helfen. Er entwickelte einen Zyklus-Tracker, der es Frauen erleichtern soll, ihre fruchtbare Zeit zu erkennen.

Das unter dem Namen "Ovula-Ring" vermarktete Patent besteht aus einem Vaginalring mit Biosensor, der alle fünf Minuten die Temperatur misst und sie per Bluetooth zur Auswertung an eine Handy-App sendet.

Neben einem gesunden Lebensstil bliebe aber regelmäßiger Sex mehrmals in der Woche das beste Mittel, sagt der Professor. Und warnt zugleich: "Wer davor zurückschreckt, weil er schon gar keine Lust auf den Partner hat, sollte sich überlegen, ob er sich wirklich ein gemeinsames Leben als Elternpaar vorstellen kann." Denn guter Sex sei ein Seismograf für die Partnerschaft.

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Wichtig: Komme es nach einem Jahr Sex ohne Verhütung zu keiner Schwangerschaft, sollten Paare zum Arzt gehen, empfiehlt der Fachmann.

Dann könnten auch ein ausbleibender Eisprung, verschlossene Eileiter oder schlechte Spermienqualität die Ursache sein.

Titelfoto: TEAM CODE ZERO

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