Premiere in Leipzig: Neuer Tanzabend verzaubert Publikum
Von Dr. Robert Benjamin Biskop
Leipzig - Bühne frei! Das Leipziger Ballett präsentiert in der Premiere "Mozart/Rachmaninow" eine bewegende Aufführung von zwei sinfonischen Balletten als Hommage an seinen früheren Chefchoreografen Prof. Uwe Scholz. Das Publikum dankt es am Premierenabend mit begeisterten Standing Ovations. Eine Rezension von Dr. Robert Benjamin Biskop.
Von 1991 bis 2004 war Prof. Uwe Scholz Direktor und Chefchoreograf des Leipziger Balletts und machte mit seinen sinfonischen Tanzinterpretationen die Oper Leipzig in der gesamten Welt bekannt. Nach seinem frühen Tod suchte das Leipziger Ballett lange Zeit nach dem richtigen Weg der Bewahrung seines künstlerischen Erbes.
Tobias Wolff als Intendant der Leipziger Oper ließ den früheren Scholz-Tänzer Rémy Fichet ab 2024 die Verantwortung als neuer Ballettdirektor übernehmen.
In der kurzen Zeit von nur zwei Jahren ist es ihm und seinem Team gelungen, aus der Erinnerung an die große Zeit des Leipziger Balletts wieder eine neue Kraft zu entwickeln, welche an die tänzerische Qualität der früheren Erfolge mit frischer Energie anknüpft. Ganz im Sinne der Gustav Mahler zugeschriebenen Aussage: "Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche."
Diese Weitergabe des Feuers ist in der Premiere von "Mozart/Rachmaninow" am Sonntag mehr als spürbar. Der Tanzabend, der einem Frühlingserwachen gleicht, gliedert sich in zwei Werke, die Prof. Uwe Scholz 1986 und 1987 in Monte-Carlo und Zürich geschaffen und 1997 und 2000 erstmals in Leipzig gezeigt hatte.
Prof. Uwe Scholz wäre stolz gewesen
Als erstes Stück wird das Konzert für Klavier und Orchester "Jeunehomme" in Es-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart gespielt, eine virtuose Darstellung der drei Phasen der Liebe.
Rémy Fichet erläutert es im Programmheft so: der erste Satz (Allegro) zeigt die junge frische Liebe mit ihrer Euphorie, der zweite Satz (Andantino) die erwachsene Liebe – mit ihren Zweifeln und Schwierigkeiten und schließlich gefolgt vom dritten Satz (Rondeau), wo in einer gereiften Liebe die Ruhe und das Glück in der Beziehung gefunden wurden.
Als berührendes Herzstück dieses Werkes wurde das Duett im zweiten Satz von Soojeong Choi und Timoteo Mock hervorragend interpretiert, sie ist seit 2017 und er ganz neu seit 2025 in Leipzig.
Ihre Virtuosität und seine Energie haben sich im Tanz so verbunden, dass auch Prof. Uwe Scholz daran Freude gehabt hätte.
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Gewandhausorchester unterstützt musikalisch
Im zweiten Teil des Abends erklingt das 3. Klavierkonzert in d-Moll von Sergei Rachmaninow, ebenfalls mit drei Sätzen (Allegro ma non tanto, Intermezzo Adagio und Finale Alla breve). Das gesamte Ensemble des Leipziger Balletts entwickelt hier faszinierende Bilder aus Rhythmus, Körper, Farbe und Licht.
Besonders eindrucksvoll ist die Sensibilität der Tänzerinnen Soojeong Choi und Ana Carbonero. Auch die Tänzer Evandro Bossle und Juliano Toscano begeistern mit ihrer Dynamik und Virtuosität, beide sind erst seit Kurzem in Leipzig und dennoch bereits prägend im Erscheinungsbild der Kompanie.
Die Lebensfreude des Frühlingserwachens dieses Tanzabends kulminiert in den schnellen, hohen und kraftvollen Sprüngen von Landon Harris, seine Energie und Dynamik zeigen das Potenzial einer weiteren Entwicklung im Geiste von legendären Vorbildern des Sprungs im Ballett wie Vaslav Nijinsky.
Das Leipziger Gewandhausorchester (Dirigentin: Yura Yang) spielte ein wunderbares harmonisches Fundament für das tänzerische Geschehen auf der Bühne und auch die beiden jungen Klaviersolisten Sebastian Fuß und Paulo Ameida trugen mit Verve und Intensität zum Erfolg des rundum gelungenen Programms bei.
Dieser Abend ist eine zur Jahreszeit passende Liebeserklärung an das Leben und lohnt einen Besuch.
Die nächsten Aufführungen finden statt am 1., 7., 15. und 21. März. Karten gibt's über den Besucherservice der Oper: www.oper-leipzig.de.
Titelfoto: Ida Zenna/Oper Leipzig

