Sächsischer Teenager (16) wartete Jahre auf Spenderorgan: Der lange Weg zur neuen Niere

Leipzig - Organtransplantationen sind noch immer selten. Auch deshalb, weil es nicht genügend Spender gibt. Besonders selten aber sind Eingriffe bei Kindern: Nierentransplantationen etwa werden in Sachsen nur am Uniklinikum Leipzig durchgeführt. Einer der Patienten dort ist Cedric Krause (16). Ihm wurde bereits zum zweiten Mal eine neue Niere eingesetzt - mit Erfolg!

Mit viel Geduld und Zuversicht hat Cedric Krause (16) alle notwendigen OPs über sich ergehen lassen. Oberärztin Katalin Dittrich (55) hat Cedric schon behandelt, als er noch ein kleiner Junge war. Heute ist er größer als sie.
Mit viel Geduld und Zuversicht hat Cedric Krause (16) alle notwendigen OPs über sich ergehen lassen. Oberärztin Katalin Dittrich (55) hat Cedric schon behandelt, als er noch ein kleiner Junge war. Heute ist er größer als sie.  © Ralf Seegers

Cedric ist ein aufgeweckter Bursche, geht aufs Gymnasium, spielt Volleyball und Tischtennis. Ein ganz normales Teenager-Dasein. Doch lange Zeit sah es nicht danach aus.

Zwar kam der Junge aus Markkleeberg bei Leipzig gesund zur Welt, dann aber führte eine Lungenentzündung zu Komplikationen. Cedrics Niere wurde massiv geschädigt, konnte den Körper nicht mehr ausreichend entgiften.

"Im Krankenhaus hat man damals schon den Kopf geschüttelt", erinnert sich Vater Thomas Krause (49) mit Schrecken zurück. "Als Zeichen, dass unser Junge wohl nicht überleben würde." Zum Glück kam es anders.

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Cedric musste mittels Bauchfelldialyse versorgt werden und kam damals das erste Mal auf die Warteliste für eine Nierentransplantation. Mit nicht einmal ganz zwei Jahren erhielt er ein neues Organ. "Über den Spender wissen wir nichts", sagt Thomas Krause.

Die OP verlief gut. Bloß: Nach gerade mal acht Jahren machte die neue Niere wieder Probleme.

Jugendlicher brauchte zweite Niere

Cedrics Vater Thomas Krause (49) ist selbst Arzt. Er begleitet seinen Jungen oft zu den Nachsorge-Terminen.
Cedrics Vater Thomas Krause (49) ist selbst Arzt. Er begleitet seinen Jungen oft zu den Nachsorge-Terminen.  © Ralf Seegers

Blut- und Urinwerte verschlechterten sich. Cedric kam um die Prozedur der Dialyse, also der regelmäßigen Blutwäsche, nicht mehr herum. Die Familie entschied sich für eine Dialyse-Form, die man daheim durchführen kann. Über einen Katheter im Bauchfell reinigte die Maschine jede Nacht das Blut des Heranwachsenden, während der schlief. Fehlzeiten in der Schule wurden so vermieden.

Und doch war klar: Eine Dauerlösung ist das nicht. Cedric brauchte ein zweites Mal eine neue Niere. Mit zehn Jahren rutschte er wieder auf die Warteliste für ein neues Organ. Bis zum Pfingstfest 2022.

Natürlich erinnert sich Cedric noch genau. "Wir sind damals zum Kurzurlaub an die Müritz gefahren." Knapp vier Stunden dauerte die Fahrt. Am See angekommen, hatte sich die Familie ein Abendbrot gegönnt und wollte gerade "zur Disco runter", als Cedrics behandelnde Ärztin aus dem Uniklinikum, Dr. Katalin Dittrich (55), auf dem Handy anrief.

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Die Krauses sahen die Nummer im Display, waren zunächst alarmiert. Waren etwa die Laborwerte wieder schlechter geworden? Dann die Überraschung: Ein neues Spenderorgan für Cedric war da. Endlich! Statt der Erholung am Wasser winkte nun die Hoffnung auf ein neues, unbeschwertes Leben.

Unverzüglich und wie elektrisiert traten Cedric und sein Vater die Heimfahrt an.

Alle fünf Wochen zum Check in die Klinik

Eine Narbe am Bauch erinnert an die OP. Regelmäßige Untersuchungen gehören für Cedric jetzt einfach dazu.
Eine Narbe am Bauch erinnert an die OP. Regelmäßige Untersuchungen gehören für Cedric jetzt einfach dazu.  © Ralf Seegers

Schon am Tag darauf war der OP-Termin, schließlich hält sich eine Spenderniere nur etwa einen Tag. Cedric: "Während der Fahrt zum Klinikum war ich schon hibbelig, habe aber auch den Ärzten vertraut."

Einen Tag nach dem Eingriff wachte er auf. "Ich spürte, da ist etwas, das vorher nicht da war." Dann kam das erste Wasserlassen und damit die Erleichterung - die neue Niere funktionierte. Welch ein Glück! Alle Strapazen und Sorgen, alle Entbehrungen und Momente der Schwäche waren jetzt gefühlt überwunden.

Bleibt da noch ein Gedanke für den Spender, dessen Organ man jetzt mit sich herumträgt? "Anfangs ja", sagt Cedric nachdenklich, der für seine 16 Jahre ohnehin sehr reflektiert erscheint. "Aber dann freut man sich auch einfach, dass man jetzt ganz normal leben kann ..."

Alle fünf Wochen muss der junge Patient noch zu Oberärztin Dr. Katalin Dittrich ins Uniklinikum Leipzig, wo er gemessen und gewogen wird und wo seine Blutwerte gecheckt werden. "Alles okay so weit", signalisiert die Ärztin.

Medikamente sorgen dafür, dass Abwehrreaktionen des Körpers gegen das implantierte Organ unterdrückt werden. "Grapefruit darf ich deshalb keine essen", sagt Cedric, und sein angedeutetes Lächeln verrät, wie unendlich egal ihm diese Nichtigkeit ist.

Innerhalb von 24 Stunden wird die Spenderniere beim Patienten eingesetzt.
Innerhalb von 24 Stunden wird die Spenderniere beim Patienten eingesetzt.  © imago/epd

Bei organspende-info.de kann man sich den Organspendeausweis online bestellen. Ansonsten geben dazu auch Hausärzte und Krankenkassen Informationen.

Titelfoto: Ralf Seegers

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