Leipzig - Das ging plötzlich ganz schnell: Nur wenige Wochen nach Bekanntwerden der Pläne einer Marschflugkörper-Produktion in Leipzig hat das US-Rüstungsunternehmen Covenant am Montag im Norden der Messestadt seine Produktionshalle eingeweiht. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) war auf der geheim gehaltenen Veranstaltung dabei.
Nun ist es also doch wahr geworden. Im Industriepark Leipzig-Nord an der Alten Seehausener Straße hat der Waffenhersteller Covenant auf dem Gelände des Logistikunternehmens CEVA eine mehr als 10.000 Quadratmeter große Lagerhalle übernommen.
Hier soll ab Januar 2027 das Waffensystem Anthem produziert werden. Im ersten Jahr 1000 Marschflugkörper, ab dem zweiten dann 5000, wie das Unternehmen auf der geheimen Einweihungsfeier mitteilte.
Hinter Anthem verbirgt sich nach Angaben auf der Firmen-Homepage ein "Angriffssystem mit hoher Nutzlast, das für den Einsatz in Tausenden von Einheiten ausgelegt" ist. "Alles, was für einen präzisen Tiefschlag benötigt wird", heißt es weiter. Und Covenant verkündet selbstbewusst: "Wir werden Anthem in enormen Mengen liefern, um unsere Gegner abzuschrecken."
Leipzig werde der weltweit größte Standort von Covenant sein, erklärte Firmenchef Michael Kaufman. Von dort aus sollen europäische Kunden beliefert werden. Die Flugkörper sollen hier komplett montiert werden. Die Bestückung mit Sprengstoff erfolge erst vor Ort bei den Kunden, hieß es.
Noch keine Genehmigung - doch Einstellungsverfahren laufen bereits
Mehrere Hundert Menschen sollen in Zukunft in der Leipziger Raketen-Produktion arbeiten. Das US-Unternehmen, das auch noch eine Fabrik in Texas sowie einen Standort in Israel betreibt, hat in Sachsen bereits mit der Rekrutierung von IT-Personal und Produktionsmanagern begonnen.
Bemerkenswert: Der Einzug von Covenant erfolgte vor Abschluss des behördlichen Genehmigungsverfahrens zur Umwidmung der Lager- in eine Fertigungshalle. Bislang war in diesem Gewerbegebiet, dessen Zentrum das BMW-Werk ist, die Produktion gefährlicher und Rüstungs-Güter nicht erlaubt.
Während die Landespolitik die Ansiedlung der Rüstungsfirma feiert, ist sie in Leipzig hochumstritten.
Eine von der Initiative "Leipzig bleibt friedlich" initiierte Petition unter dem Motto "Aus der Stadt der Friedlichen Revolution darf keine Stadt der Waffen werden!" hatten bis Montag über 7000 Menschen unterschrieben.